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Die Jobs der Zukunft: Hauptsache Digital

Gefährliche Konstellation: „Google baut die Software, China die Roboter“

In der Industrie tobt inzwischen der Kampf um die Herrschaft in diesem Internet der Dinge, dessen Ausgang auch die Zukunft der in Deutschland so wichtigen Industrie-Arbeitsplätze bestimmt. Die Deutschen setzen auf ihre Industrie-Kompetenz, die Amerikaner auf ihr Software-Wissenund die Chinesen auf ihre Roboter. „China ist inzwischen der größte Roboter-Markt der Welt. Am Ende könnte China günstige Roboter bauen und US-Unternehmen wie Google die passende Software zum Betrieb der Roboter liefern. Das wäre eine gefährliche Konstellation für Deutschland“, warnt Bauernhansl.

Nun seien Roboter zwar nicht so leicht zu steuern wie Smartphones, aber die Lernkurven sind steil. „Etwa 2020 werden wir sehen, ob Google oder andere US-Firmen in der Lage sind, auch das dominante Betriebssystem und entsprechende Plattformen für Roboter zu bauen“, erwartet der Wissenschafter.

Das Rennen ist vollkommen offen. „Die letzte Phase in der Geschichte der Industrie, die so spannend war wie heute, war die Elektrifizierung“, schwärmt MIT-Forscher McAfee. Die Transformation von der Dampfmaschine zur elektrischen Maschine habe damals Jahrzehnte gedauert. „An ihrem Ende stand nicht mehr England an der Weltspitze, sondern Amerika war die führende Wirtschaftsmacht“. Ob Deutschlands Industrie-Jobs sicher bleiben, hängt nun also entscheidend davon ab, ob die Software-Ingenieure bei Siemens, Bosch, der Telekom oder SAP es schaffen, die wettbewerbsfähigen Plattformen für das Internet der Dinge zu etablieren.

Mehr IT-Bildung in den Schulen

Egal, wie das Rennen ausgeht: Mehr IT-Bildung ist nötig. Nicht nur in der Schule, von der Experten mehr Wert auf Fächer wie Mathematik, Informatik und Statistik fordern. Dabei ist ein grundlegendes Verständnis wichtiger als das Erlernen einer Programmiersprache, sagt Big-Data-Professor Hagen. Offenbar gibt aber schon eine Schule, die Kinder besonders gut auf die neue Welt vorbereitet: Überproportional viele herausragende Digital-Köpfe wie die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin, Amazon-Chef Jeff Bezos und auch Wikipedia-Erfinder Jimmy Wales haben früher die Montessori-Schule besucht. „Das Training dort, Regeln und Anweisungen nicht zu folgen, sich selbst zu motivieren und in Frage zu stellen, was in der Welt passiert, läßt uns Dinge heute anders machen“, sagt Larry Page.

Aber auch in den Unternehmen muß der Übergang in die digitale Welt vorangetrieben werden. „Wir brauchen mehr Mitarbeiter mit Zugang zur Welt der Algorithmen. Wir können dabei nicht nur auf die Hochschulen bauen, sondern wir müssen unsere eigenen Mitarbeiter weiterbilden. Das ist mit 3-Tage-Kursen nicht getan“, sagt Volker Deville, Leiter Zukunftsthemen beim Münchner Versicherer Allianz. Kontinuierliches Lernen ist nötig – „und zwar für alle, unabhängig von der Hierarchie. Denn der große Sprung der technischen Entwicklungen liegt noch vor uns“.

Selbst lernende Maschinen werden Alltag Während den Entwicklern vor einem halben Jahrhundert kaum etwas anders übrig blieb, als Regeln zu programmieren, auf deren Grundlage Maschinen entscheiden sollten, entstehen heute so genannte selbst lernende Systeme. Computer zu bauen, die sich automatisch auf der Grundlage von Erfahrung verbessern, sei das "Herz der künstlichen Intelligenz", so Michael Jordan von der University of California und Tom Mitchell von der Mellon University in Pittsburgh. Maschinelles Lernen habe in den vergangenen beiden Jahrzehnten "dramatische Fortschritte gemacht". Der Katalysator dahinter: die massenhafte Onlineverfügbarkeit von Daten und die sinkenden Kosten leistungsstarker Computer, die diese automatisiert auswerten können.

Selbst lernende Maschinen werden Alltag
Während den Entwicklern vor einem halben Jahrhundert kaum etwas anders übrig blieb, als Regeln zu programmieren, auf deren Grundlage Maschinen entscheiden sollten, entstehen heute so genannte selbst lernende Systeme. Computer zu bauen, die sich automatisch auf der Grundlage von Erfahrung verbessern, sei das “Herz der künstlichen Intelligenz”, so Michael Jordan von der University of California und Tom Mitchell von der Mellon University in Pittsburgh. Maschinelles Lernen habe in den vergangenen beiden Jahrzehnten “dramatische Fortschritte gemacht”. Der Katalysator dahinter: die massenhafte Onlineverfügbarkeit von Daten und die sinkenden Kosten leistungsstarker Computer, die diese automatisiert auswerten können.

Wenn Maschinen schlauer als Menschen sind

Der Höhepunkt könnte 2029 erreicht werden. „2029 werden Maschinen schlauer als Menschen sein“, vermutet Ray Kurzweil, der Experte für künstliche Intelligenz in Diensten von Google. Während sein Forscherkollege Vikek Whadwa für diesen Tag eine eher düstere Prognose stellt, bleibt Kurzweil Optimist. „Man kann sich beinahe jeden Job anschauen und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er automatisiert und eliminiert ist. Das passiert auch. Und trotzdem steigt die Beschäftigung. Weil neue Industrien geschaffen werden. 65 Prozent der Jobs in Amerika sind Informations-Job, die es vor 25 Jahren noch gar nicht gab. Wir kreieren und erfinden ständig neue Jobs“, sagt Kurzweil. Und hofft, daß das so bleibt.

Roboter machen Reiche noch reicher

Die Digitalisierung hat einen Nebeneffekt: Die Verteilung des Einkommens und des Wohlstands wird höchstwahrscheinlich ungleicher werden. Wie schon heute im Silicon Valley gut zu beobachten ist, geht die Einkommensschere zwischen den Mitarbeitern der Tech-Firmen wie Apple, Google oder Facebook und dem Rest der Bevölkerung stetig auf.

Als Folge sind die Mieten in San Francisco für Normalverdiener beinahe unerschwinglich. Doch das ist nur der Anfang: Das Verteilungsproblem wird größer. „Wenn Maschinen immer mehr Jobs übernehmen, fallen diese Einkommen weg. In Deutschland ist das vielleicht nicht so schlimm wie in den USA. Ihr habt ein funktionierendes Sozialsystem. Bei uns hingegen landet man ohne Job sehr schnell auf der Straße“, sagt der Roboterexperte Martin Ford.

Sein Lösungsvorschlag klingt wie aus der Mottenkiste der Sozialpolitik, wird aber gerade wieder populär. „Wir müssen über ein bedingungsloses Grundeinkommen nachdenken. Ein die Existenz sicherndes Einkommen für jeden, egal ob er arbeitet oder nicht. Viele halten das für eine verrückte Idee. Aber ich weiß nicht, wie man den zu erwartenden Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt sonst begegnen könnte“, sagt Ford.

Schon seit etwa zwei Jahrzehnten sinkt der Anteil der Arbeit am Einkommen. Neu ist hingegen die wachsende Abhängigkeit des aktuellen Outputs von früheren Investitionen in Software, haben Seth Benzell, Laurence Kotlikoff und Guillermo LaGarda von der Boston University und Jeffrey Sachs von der Columbia Universität in ihrer Studie „Robots Are Us: Some Economics of Human Replacement“ (PDF) herausgefunden. Auch sie erwarten einen steigenden Bedarf an politischen Eingriffen zur Umverteilung der Einkommen sein.

Die Autoren sprechen auch ein brandheißes politisches Thema an. „Einwanderungsprobleme gewinnen dann an Bedeutung. Davon gibt es zwei: Eines am unteren Ende des Arbeitsmarktes, eines am oberen Ende. Eine Gesellschaft mit substantiellen Transfers wird mehr Einwanderer am unteren Ende anlocken, wo es ohnehin einen Überschuß an Arbeitskräften gibt. Am oberen Ende werden die besten Fachkräfte und Studenten ihre Heimat verlassen, um in den Ländern mit den höchsten Einkommen zu arbeiten, vor allem in den USA. Das beraubt viele Länder ihrer dringend benötigten Spezialisten“, folgern die Autoren.

 

Beitrag erschienen auf: https://netzoekonom.de/2015/09/27/die-jobs-der-zukunft-hauptsache-digital/