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Die Jobs der Zukunft: Hauptsache Digital

Ist alles technisch Mögliche auch sinnvoll und gewollt?

„Aber nicht alles, was technisch möglich ist, wird morgen schon Realität“, beruhigt Werner Eichhorst vom Institut zur Zukunft der Arbeit. In Japan wurde gerade das erste Hotel eröffnet, in dem Roboter die Arbeit machen. Ob sich die Roboter auch überall durchsetzen können, ist völlig offen.

„Wollen Menschen tatsächlich Pflegeroboter, ohne Kontakt zu anderen Menschen? Vollautomatisierte Supermarktkassen sind 1966 erfunden worden. Aber noch immer sitzen Menschen an den Kassen. Wichtig ist auch immer die Überlegung, ob das technisch Mögliche auch wirtschaftlich sinnvoll ist“, sagt ZEW-Ökonom Zierahn.

Viele Berufe bleiben auch erhalten, weil sie sich die neue Technik zu nutze machen. Ein Beispiel für den sinnvollen Einsatz sind Schreibroboter, die inzwischen auch für renommierte Medien selbständig Berichte über Firmenbilanzen, das Wetter, den Börsenhandel oder Fußballspiele schreiben.

„Wenn die Spieler noch auf dem Weg unter die Dusche sind, hat der Computer den Artikel schon fertig im Netz veröffentlicht“, erklärt Saim Alkan, Chef des Stuttgarter Technologie-Anbieters Aexea. Schneller als Roboter können Journalisten also nicht sein. Individueller allerdings auch nicht: Abhängig von den Vorlieben der Leser können sie ganz persönliche Zeitungen zusammenstellen, zum Beispiel mit Börsenberichten, die nur die Aktien aus ihrem Portfolio analysieren. Oder mit Wetterberichten, der genau auf ihren Wohnort abgestimmt sind.

„Wenn die Journalisten den Roboter einmal richtig trainiert haben, lassen sie ihn die Routinejobs machen und gewinnen auf diese Weise viel Zeit für die Geschichten, die ein Computer niemals schreiben kann“, sagt Alkan. Denn die tiefgehende Recherche, die fundierte Analyse oder die elegante Schreibe werden für lange Zeit den menschlichen Journalisten vorbehalten sein.

Kreativität ist gefragt

Auf der Frey/Osborne-Liste der sicheren Jobs stehen neben den Redakteuren und Schriftstellern vor allem kreative und soziale Berufe sowie Wissenschaftler. Auch Menschen mit ausgeprägten sensomotorischen Fähigkeiten wie Physiotherapeuten oder Zahnärzte sind auf der sicheren Seite. „Jobs für Naturwissenschaftler gewinnen ebenso weiter an Bedeutung wie Bildung und Forschung “, glaubt Eichhorst.

Um sich von den Computern abzuheben, sollten Unternehmen die Kreativität und Innovationskraft ihrer Mitarbeiter systematisch fördern. „Deutschland ist bisher nicht das Land, in dem die radikalen Innovatoren sitzen. Die Mitarbeiter in den Unternehmen müssen sich vorstellen können, wie radikal sich Märkte in der digitalen Welt ändern“, rät Eichhorst.

Dazu gehören auch Handwerker, die sich wahrscheinlich bisher nicht vorstellen konnten, was der australische Bauroboter Hadrian nun leistet. Er mauert ein ganzes Haus in nur zwei Tagen, wofür normale Maurer meist Wochen brauchen. Er liest die 3D-Baupläne, merkt sich die Position der einzelnen Ziegel, packt sie mit seinem 28 Meter langen Greifarm, läßt Mörtel darüber laufen und setzt den Stein an die richtige Stelle. Auf 0,5 Millimeter genau, rund um die Uhr.

„Wir haben absolut nichts gegen Maurer. Aber ihr Durchschnittsalter nimmt zu und es wird immer schwieriger, junge Menschen für den Beruf zu begeistern“, erklärt Mark Pivac, der Chef der Entwicklerfirma Fastbrick Robotics. Angenehmer Nebeneffekt: Hadrian baut Häuser nicht nur schneller, sondern auch billiger. Nach der Markteinführung in Australien will Pivac seinen Bauroboter auf der ganzen Welt vermarkten.

„5 Prozent mehr Produktivität in den Fabriken – pro Jahr“

Mit solchen Innovationen haben die Menschen in den Fabrikhallen schon deutlich mehr Erfahrung. Der Einsatz von Robotern ist dort schon ziemlich weit fortgeschritten, bleibt aber natürlich nicht stehen. „Bei den „Blue-Collar-Workern“ in den Fabriken wird der normale Rationalisierungsprozess weitergehen. Pro Jahr 5 Prozent mehr Output bei gleicher Personalstärke oder eben gleiche Leistung mit 5 Prozent weniger Mitarbeitern. Ich erwarte aber keinen großen Sprung“, sagt Fraunhofer-Experte Bauernhansl. Je stärker ein Unternehmen im globalen Wettbewerb stehe, desto größer sei allerdings der Druck zur Rationalisierung. Auch hier treffe die Automatisierung durch die Roboter die Niedrig-Qualifizierten zuerst.

An einigen Rechenexempeln kommt die deutsche Wirtschaft allerdings nicht vorbei. „In der deutschen Automobilindustrie liegen die Arbeitskosten je Stunde bei mehr als 40 Euro je Stunde. In China gegenwärtig noch unter 10 Euro. Ein Roboter am Band kostet aber nur 5 Euro je Stunde“, rechnete Volkswagen-Personalvorstand Horst Neumann schon Anfang des Jahres vor, als er die verstärkte Automatisierung der Fabrikarbeit ankündigte.

Da bei VW aber viele Mitarbeiter in den Ruhestand gingen, könnten ergonomisch ungünstige Arbeitsplätze abgebaut werden, ohne Mitarbeiter zu entlassen. Auch für Daimler soll die neue Technik kein Jobkiller werden. „Die Digitalisierung wird nicht zu einem Stellenabbau führen. Auf Sicht von 10 bis 15 Jahren rechne ich mit einer Belegschaft, deren Zahl auf dem gleichen Niveau wie heute bleibt“, sagt Oskar Heer, der die Arbeitspolitik beim Stuttgarter Autoproduzenten verantwortet.

Die Entwarnung sind nicht nur Beruhigungspillen für die Gewerkschaften, sondern werden auch von der Wissenschaft bestätigt: „Aufgrund von Wachstum und demographischer Entwicklung wird sich die Digitalisierung nicht negativ auf die Beschäftigung in der Industrie in Deutschland auswirken“, sagt Deuse.

Den großen Druck haben die Chinesen

Den ganz großen Handlungsdruck verspüren eher die Chinesen, die ihre Vorteile billiger Arbeitskräfte und damit ihre Rolle als „Werkbank der Welt“ verlieren. Roboter gleichen die Produktionskosten weltweit an. Arbeitskostenvorteile als Standortfaktor verschwinden. Genau aus diesem Grund kaufen die Chinesen im Moment wie kein anderes Land der Welt Industrieroboter, bevor Unternehmen wie Apple auf die Idee kommen, ihre iPhones künftig von Robotern in den USA montieren zu lassen.

Nun sind Roboter in der Vergangenheit nie Job-Killer gewesen. Erste Untersuchungen der Wissenschafter Georg Graetz und Guy Michaels zu den Effekten des Robotereinsatzes zeigen einen Anstieg der Arbeitsproduktivität, der Wertschöpfung und der Löhne, aber auch einen Ersatz vor allem niedrig ausgebildeter Arbeitskräfte. Einen signifikanten Einfluß auf die Beschäftigung konnten die Forscher allerdings nicht finden.

Das gilt auch für Deutschland. Die Roboter werden Produktivitätsgewinne zwischen 10 und 30 Prozent bringen, schätzt die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). Wegen der hohen Lohnkosten wird Deutschland einer der größten Profiteure der Invasion der Roboter in die Fabrikhallen sein, weil die Wettbewerbsfähigkeit überdurchschnittlich weiter steigen wird. Das hat in der Vergangenheit immer zu mehr Wachstum und dann auch zu mehr Beschäftigung geführt.

Deutschland muß das „Internet der Dinge“ vorantreiben

Die beruhigenden Aussagen gelten aber nur für den Fall, daß Deutschlands Industrie ihre starke Stellung in der Welt behält. Das aber ist keineswegs sicher. Denn das „Internet der Dinge“ läutet gerade die nächste große Entwicklungsstufe der digitalen Wirtschaft ein. Maschinen, Transportmittel, aber auch langlebige Konsumgüter werden mit Mikroprozessoren und Sensoren ausgestattet. Sie werden damit Teil des Internet. Die moderne Informationstechnik ist dann nicht mehr auf Computer und Smartphones beschränkt, sondern wird auf Milliarden physischer Produktionsfaktoren und Konsumgüter ausgeweitet.

Diese Entwicklung ist die Grundlage für die nun beginnende Vernetzung großer Teile der Wirtschaft. Informationstechnik prägt Unternehmen seit vielen Jahren. Zuerst wurden interne Prozesse vereinfacht und automatisiert, dann kamen die externen Beziehungen, zum Beispiel zu Lieferanten und Kunden.

„Aber nun erleben wir zum ersten Mal, wie Informationstechnik in Form der Sensoren auch in die Produkte eingebettet wird. Die smarten, vernetzten Produkte verändern die Art, wie Unternehmen funktionieren und wie sie organisiert sind, viel stärker als alle früheren Entwicklungsstufen der Informationstechnik“, erwartet der amerikanische Management-Guru Michael E. Porter. Wenn Sensordaten der Produkte künftig direkt in die Herstellung einfließen, werden aus der Massenproduktion Kleinstserien oder gar Einzelanfertigungen. Mit Hilfe der modernen 3D-Drucker wird die Herstellung von Einzelteilen immer einfach. Amazon hat schon ein Patent eingereicht, um 3D-Drucker auf Lastwagen zu montieren. Sie können das gewünschte Produkt dann direkt vor der Haustür des Kunden „drucken“.

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