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Der unbekannte Putin – Ein Film von Andrej Karaulow

Die Reflexionen zum “unbekannten Putin” wirken aufrichtig, da immer wieder betont wird, daß man manches erst im Rückblick versteht oder etwas nicht in der richtigen Dimension gesehen hat. Mediale Manipulation in der Form, wie sie dank westlicher Medien und Medien im Besitz von Oligarchen oder des Westens üblich ist, scheint man zuvor nicht gekannt zu haben.

“CIA-Leute führen einen Krieg mit Rußland”, auf dieser Ebene, heißt es, und deswegen wurde auch bspw. Twitter finanziert. Früher gab es “Ministerposten nach Anruf aus dem Weißen Haus”, doch weil alle sahen, was die “Reformen” für die Menschen bedeuteten, von denen so viele arm wurden (sie verloren mit einem Schlag auch alle Ersparnisse; ihnen dafür wenigstens bereits produzierte Kühlschränke, Fernseher etc. zu geben, lehnte Boris Jelzin ab), und wegen des Balkankrieges waren die Leute ernüchtert. “Reformen” sind Mittel, um Länder zu vernichten, wie man an den bettelarmen Menschen in Rußland nach 1990 sah.

Danach gab es jedoch eine Revolution, die noch nicht gesiegt hat. In der Dokumentation wird unter anderem auf die gestiegene Geburtenrate verwiesen. Doch pro Jahr sank die russische Bevölkerung über Jahre um eine Million Menschen; durch Auswanderung, Verhungern und geringe Geburtenrate gingen 11 Millionen verloren. Es mag für uns abwegig sein, das Betonen familiärer Werte in einen Gegensatz zu Werbung für Homosexualität zu setzen, da ja das Ausleben von Schwul- oder Lesbischsein nicht unbedingt etwas mit der Geburtenrate zu tun hat.

Aber ist es nicht unter dem Aspekt des Geschilderten verständlich, wenn die offizielle russische Politik für die Familie eintritt? Zumal bewußt Provokationen gesetzt werden, deren Ziel Verunsicherung in der russischen Gesellschaft und der Beifall westlicher Medien und Politiker sind – siehe auch Pussy Riot oder Femen. LGBT-Aktivisten etwa in Österreich schwärmen zugleich von “riesigen Schwulendiscos” in St.Petersburg und polemisieren gegen Putin (und schweigen zur Totalüberwachung durch NSA und CIA, die Sexualität zu einer ganz und gar nicht intimen Angelegenheit macht).

An vielen Stellen hat man bei der Putin-Doku auch (von der Logik und den Fakten abgesehen) instinktiv das Gefühl, daß die Gesprächspartner die Wahrheit sagen und Themen zur Sprache bringen, die auch in russischen Medien sonst nur am Rande vorkommen. Gänsehaut-Charakter hat die Geschichte der Präsidentenwahl 2004, als der Oligarch Boris Beresowski Gegenkandidaten zu Putin finanzierte.

Diese waren zwar nicht chancenreich, hätten jedoch, wenn sie im “richtigen” Moment einer Wahl über mehrere Zeitzonen sterben, dafür sorgen können, daß die Wahl ungültig ist und nach vier Monaten neuerlich durchgeführt werden hätte müssen. Denn wenn ein Kandidat zum Zeitpunkt der Wahl tot ist, aber bereits Stimmen für ihn abgegeben wurden, gilt sie als annulliert – und vier Monate sind eine lange Zeit für Gegner des Putin-Kurses, um Tatsachen zu schaffen. Das Schicksal, plötzlich nicht mehr am Leben zu sein, hätte Irina Hakamada ereilen können oder Iwan Rybkin, der auf dem Weg nach Kiew verschwand, sich dann aber meldete, um in Sicherheit zu sein.

In der Sendung wird analysiert, daß Beresowski zwei Bücher genau studiert hat: das Strafgesetzbuch und die russische Verfassung, und daß er insgesamt 100 Millionen Dollar in Anti-Putin-Kampagnen investiert habe. Außerdem organisierte er Attentate, mit Terroristen, die seltsame Forderungen stellten wie jene, daß das Mobilfunknetz nicht abgeschaltet werden darf. Interessanterweise wollte Schirinowski bei besagter Wahl nicht selbst kandidieren, sondern schickte seinen Bodyguard vor – es war ihm wohl unter diesen Umständen zu riskant. Beresowskis Macht hätte nicht dafür gereicht, Putin zu töten; wohl aber dachte er, wenn er dafür sorgt, daß die Wahlen illegitim sind und die Befugnisse des Präsidenten auf den Premierminister übergehen…..was, wenn die Leiche eines Kandidaten oder einer Kandidatin frühmorgens vor der dem Büro von Reuters gefunden worden wäre?

Für unsere Medien ist Beresowski wie Chodorkowski natürlich ein “Guter”, denn auf ihm baut auch die Story um den Mord an Alexander Litwinenko auf. Diesem ehemaligen KGB-Agenten sei Polonium in einer Bar in eine Tasse Kaffee gegeben worden, sodaß er dann unter großen Qualen an Vergiftung starb. Nur daß Polonium ein Alphastrahler ist, von dem ein Milligramm reichen würde, um alle Personen zu töten, die über einen Zeitraum von 100 Tagen die Bar betreten. Litwienko hätte sichtbar verbrannt sein müssen, wenn er mit Polonium versetzten Kaffee trinkt – und derjenige, der ihn vergiftet haben soll und mit Ehefrau und Sohn in der Bar war, müßte wie seine Familie ebenfalls tot sein.

Die Dokumentation bringt ins Spiel, daß es nach dem Bau einer schmutzigen Bombe (in der Nähe von London) und Poloniumschmuggel aussehen sollte, um Putin zu diskreditieren. Davon abgesehen, daß Polonium nicht zu Symptomen und Todesart paßt, ist es auch ausgesprochen teuer. Dieser “Giftmord” wäre mit 36 Millionen Euro weit jenseits aller anderen Giftmorde gelegen – zumal diese das Ziel “maximaler Verschleierung” haben, statt “eine Show daraus zu machen”. Es ist auch nicht nachvollziehbar, welchen Grund Putin haben sollte, eine relativ unbedeutende Person wie Litwinenko zu töten.

In der Doku wird immer wieder auf die russischen Ressourcen verwiesen, auch auf das Aufgeben von mehr als 20.000 Bohrlöchern, wodurch 25 Millionen Tonnen Öl nicht gefördert werden konnten. Als Folge der Privatisierung und der damit einhergehenden hinter mir die Sintflut-Haltung sind Bereiche der Taiga von Öl überflutet, was sich natürlich dramatisch auf die Umwelt und das Grundwasser auswirkt. Ehe Putin das Ruder herumreißen konnte, reichte das russische Öl Prognosen zufolge noch für 20 Jahre, wenn man auch exportieren will. Während Medien zugleich Putin als eiskalt geißeln und nette Weihnachtsfotos von Drohnenkiller Obama bringen, kommen Analysen des Verhaltens von Putin und Obama zum Schluß, daß der russische Präsident 2013 diplomatisch erfolgreicher war.

Info:
Der unbekannte Putin