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Der unbekannte Putin – Ein Film von Andrej Karaulow

Übersetzung: Ivan Sh. Vertonung: Nikolai Alexander

Dokumentation “Der unbekannte Putin”

(28.12.2013) Wer hat die Zerschlagung Rußlands verhindert, Firmen vor der Zerstörung gerettet, dafür gesorgt, daß die Erlöse aus Ressourcen ins eigene Land fließen? Und wird dafür von denen gehaßtund verleumdet, die eine monopolare Welt, einen “Weltstaat” wollen? Eine Serie des russischen Fernsehens, in synchronisierter Form im Web abrufbar, zeigt den unbekannten Wladimir Putin.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion brachte “Kolonialgesetze”, amerikanische Berater und Agenten kamen in Massen, um den Zugriff auf Erdöl, Gas und andere Ressourcen Rußlands zu sichern. Erst als Putin Präsident wurde, änderte sich alles grundlegend. Er habe dafür sein Leben riskiert, sagen die Interviewpartner der Doku voll Anerkennung. Es gab mindestens fünf Attentatsversuche auf Putin, wobei einer im Rahmen der Serie thematisiert wird, nämlich als ein Islamist aus dem Irak, der auch in Tschetschenien und Afghanistan kämpfte, den Präsidenten bei einem Besuch in Aserbaidschan per Fernzündung töten wollte.

In den 1990er Jahren meinten Oligarchen, deren Einflußin der Zeit davor begründet ist, sie könnten sich alles erlauben. Daher ist in der Sendung auch davon die Rede, daß mindestens 72 Menschen auf das Konto von Chodorkowski gehen, der im Westen als “Regimekritiker” gefeiert wird. Man kann also einen Mann, der über Leichen geht, ohne weiteres in Deutschland aufnehmen, ist aber außerstande, Edward Snowden Schutz zu bieten, ihm Asyl in der EU zu gewähren?! Die Künstlerin und Theaterleiterin Swetlana Wragowa kam mit dem Leben davon, weil man sie kannte, als Chodorkowski 1995 das Haus neben seiner Bank in Moskau haben wollte. Man verwüstete “nur” ihre Wohnung und warf sie hinaus, und für sie waren diese Erfahrungen “wie ein Zustand der Schwerelosigkeit”, weil sie dachte, das könne es doch nicht geben, und niemand war bereit, sich für sie einzusetzen.

Nach dem Fall des Yukos-Konzerns sind die Einnahmen aus Erdöl um das 80fache gestiegen, heißt es, und tatsächlich sind alle relevanten Daten positiv – das russische BIP hat zugenommen, ebenso die Handelsbilanz, während die Sterberate gesunken ist, die Geburtenrate und die Lebenserwartung der Menschen zugelegt haben. Durch IWF-bedingte “Reformen” starben vor Putin Millionen Menschen, sie verhungerten oder konnten sich keine ärztliche Behandlung leisten.

Während Shell vor Sachalin Öl und Gas förderte, froren die Menschen auf der Insel, weil man ihnen nichts zum Heizen gab und nie warmes Wasser (auch das änderte sich durch Putin). Mit den reformbedingten Toten hatten sowohl die Oligarchen als auch die westlichen “Berater” kein Problem, da dies dazugehöre. Es versteht sich von selbst, daß Texte etwa bei Wikipedia über Rußland vieles ausblenden und in der Diktion das wiedergeben, was IWF und Co. wollen.

Rußland mußte auch noch dafür bezahlen, daß andere Staaten seine Ressourcen ausbeuten, weil es Kredite aufnehmen mußte – und zugleich wichtige Industriebetriebe zerschlagen wurden. Diese stimmen “rein zufällig” mit einer Liste der USA an mehr als 300 Atomwaffenzielen in Rußland überein, da die entsprechenden Standorte bombardiert werden sollten.

Und nun lief die Privatisierung genau nach diesem Schema, es war ein “Plan zur Liquidierung Rußlands”. Vor dem Ende der Sowjetunion stand diese beim BIP weltweit an 3. Stelle, und war daher wirtschaftlich durchaus konkurrenzfähig. Man zerschlug dann Bereiche wie Elektronik, Maschinenbau und Gerätebau, auch die Flugzeugindustrie (in der Sendung sieht man eine Spezialhalle mit konstanter Temperatur, die jetzt als Lager benutzt wird. Putin konnte immerhin noch etwas weniger als die Hälfte der wichtigen Betriebe retten; die Standorte der anderen werden oft durch Büros und Einkaufszentren ersetzt.

Besonders absurd, aber auch typisch ist die Geschichte einer aufgegebenen Atom-U-Boot-Fabrik, in der ein fast fertiger Atomreaktor stand. Der Besitzer schien verschwunden und wurde schließlich in Neuseeland aufgespürt, wo er meinte, daß er ohnehin kein Interesse an dem Betrieb habe. Die Gesprächspartner der Sendung fragen, ob die Interviewer das Buch von John Perkins über seine Tätigkeit als “Economic Hit Man” kennen, das auch auf russisch erschienen ist. Denn genau das ist in Rußland passiert, die systematische Zerstörung von Infrastruktur verbunden mit dem Schaffen von Kolonialgesetzen, um die Ressourcen auszubeuten. Die Schilderungen dieser Zeit muten an wie eine Mischung aus Erfahrungen afrikanischer Staaten und dem Ende der DDR. Neben konkreten Maßnahmen wurde (und wird) auch eine Kampagne gegen alle Errungenschaften der Sowjetunion eine Kampagne geführt, heißt es.

Putin stoppte diesen Prozeß, und es gelang ihm auch, vieles rückgängig zu machen. Er sei “der Anführer einer nationalen Revolution”, sagt einer der Interviewten. Freilich konnte Putin die Menschen nicht verändern, und manche warfen ihm vor, daß er keine neue Richtung eingeschlagen habe. Doch er hat den Charakter des Staates so verändert, daß die Leute nicht mehr von den Oligarchen abhängig sind.

Zuvor hatten die Oligarchen ihre Beamten und setzten die Minister ein, wenngleich man über diese auch sagt, daß ohnehin die USA bestimmt haben, wer Minister wird (auch in westlichen Ländern entsteht der Eindruck, daß so verfahren wird, sieht man sich an, wie wenig in Sachen NSA von Regierungen unternommen wird und wie sehr jene Politiker unter Druck geraten, die keine Vasallen sein wollen).

Es ist etwas befremdend, wenn Putin in der Sendung auch für die Rettung der russischen Atomwaffen gelobt wird und für ein Raketenprogramm, dessen Glanzstück R-36 von der NATO “Satan” genannt wird, weil diese nichts Vergleichbares hat. Damit ist Rußland die größte Atommacht der Welt, wobei die R-36 strategisch an 100 Standorten nahe den Grenzen des Landes stationiert sind und von Moskau aus gesteuert werden. Natürlich hat der Raketenschild, den die USA in Europa installieren, nichts mit dem Iran zu tun, sondern mit Rußland. Und es geht keineswegs um den Schutz Europas, was man auch daran erkennt, daß jenen europäischen Politikern zugesetzt wurde, die gegen den Raketenschild auftraten (in Norwegen, Österreich und Polen).

Jedenfalls beteuern Experten, daß “Satan” nicht gebaut wurde, um eingesetzt zu werden, sondern um zu verhindern, daß es einen “Weltstaat” gibt. “Atomwaffen sind ein Großmachtattribut”, heißt es dazu, und somit auch ein wichtiges Symbol für Rußland. Und Putin ist “ein Garant für die Souveränität Rußlands”, der über Macht und Charisma verfügt, weswegen auch versucht wird, ihn zu eliminieren.

Man hat ihn und sein Durchsetzungsvermögen unterschätzt, wobei er seine Leistungen aber nicht verkauft, sondern in der “Bescheidenheit eines KGB-Agenten” damit umgeht. Gemeint ist damit wohl, daß Personen, die einmal im Nachrichtendienst waren, dabei gelernt haben, unauffällig und effizient zu agieren. Sich selbst permanent in Szene setzen ist das genaue Gegenteil davon, da erfolgreiche Arbeit bedeutet, daß diese gar nicht so recht wahrgenommen wird.

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