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Das Julfest: Losnächte, Neuentzünden des Feuers, Das Julritual, Weitere Jultraditionen

Weihnachtsbaum

Geschmückte Bäume (oder Eiben- / Wacholderzweige) gehören ebenfalls zur Jultradition, so unser “Weihnachtsbaum”, der eine lange Tradition hat, aber nicht wirklich als genuin heidnisch belegt werden kann.

Die erste bekannte Erwähnung stammt von 1419, als Freiburger Bäcker in der Adventszeit einen Baum mit Nüssen und Früchten behingen, der von Kindern zu Neujahr “geplündert” werden durfte. Zwei Jahrhunderte später, 1611, wird von Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien berichtet, daß sie einen Weihnachtsbaum mit Kerzen schmückte – und es war Goethe, der den Baum mit “Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfel”(n) im “Werther” in die deutsche Literatur brachte.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts akzeptierte die katholische Kirche den Weihnachtsbaum und fügte ihn mit der Krippe zu dem christlichen Weihnachtssymbol zusammen. Zwar gibt es schon von 580 u.Z. ein kirchliches Verbot, nach dem es zu unterlassen sei, “mit dem Grün der Bäume die Häuser zu umgeben oder zu bekränzen” (nach Ulbrich / Gerwin). Da Blumen- oder Blätterschmuck ja nichts ungewöhnliches sind, kann man vermuten, daß die Germanen dies auch kannten und nutzten. Die immergrüne Tanne bietet sich ja gerade im Winter als Symbol der Hoffnung auf einen neuen Frühling an. Schon sehr spekulativ ist es, wenn man das Schmücken des Baums mit Opfergaben in Verbindung bringt, die man in heidnischer Zeit auch in Bäume hängte. Auch Mai- oder Mittsommerbaum haben heidnisches Brauchtum als Ursprung. Ebenfalls zu dieser Tradition im weiteren Sinne gehören die Lichterbögen oder auch Weihnachtspyramiden, die z.B. aus dem Erzgebirge stammen.

“Der ‘Osservatore Romano’, das amtliche Blatt des Vatikan, sprach noch 1935 von der ‘heidnischen Mode des Weihnachtsbaumes, eines Überbleibsels alter Naturgebräuche’, und trat für die Abschaffung des nordischen Brauches ein.”
[Biber]

Der Julbaum ist groß, die Zweige sind leer,
wie wolln wir ihn schmücken, was geben wir her?
Den Apfel für Idunn, den Hammer für Thor,
Das Goldhaar für Sif, und die Hand ist für Tyr.

Der Julbaum ist groß, die Zweige sind leer,
wie wolln wir ihn schmücken, was geben wir her?
Das Herz ist für Freya, der Zapfen für Frey,
Die Muschel für Njörd und die Perle dabei.

Der Julbaum ist groß, die Zweige sind leer,
wie wolln wir ihn schmücken, was geben wir her?
Das Auge für Odin, die Schlüssel für Frigg,
Den Hasen Ostara, so wie es sich schickt.

Der Julbaum ist groß und ist nun nicht mehr leer,
von unserem Schmuck sind sie prächtig und schwer.
Der Julbaum ist groß und die Zweige sind voll,
Die Götter vereinigt, so wie es sein soll.

Fruchtbarkeitssymbole

In früheren Zeiten wurde dem Vieh die letzte geschnittene Korngabe gegeben, die man von der Ernte dafür aufgehoben hatte (die allerletzte wurde ja für Sleipnir stehengelassen). In der Julzeit spielen Äpfel und Nüsse, traditionelle Fruchtbarkeitssymbole (s. Idun), eine große Rolle.

Das traditionelle Julgericht ist Wildschwein, alternativ wird heute z.B. auch Julkuchen in “Schweineform” gebacken. Der Juleber (zu Ehren Freyrs) wurde früher laut Gulathingsgesetz mit der Bitte til ars ok til friðar geopfert, also mit der Bitte um ein gutes Jahr und Frieden. Ein weiteres traditionelles Mahl ist Pferdefleisch, da man früher Pferde dem Freyr, aber auch Wotan / Odin opferte. Für die Missionare in Sachsen oder auch Hessen war der Verzehr von Pferdefleisch ein ausgesprochenes Zeichen für weiterbestehendes Heidentum (Simek).

Auch mit dem Sinn- oder Symbolgebäck hatte die christliche Kirche so ihre Probleme. Der “Heilige Eligius” (588 – 659) verordnete: “Niemand soll zu Anfang Januar verruchte oder lächerliche Vetteln oder Hirschlein oder andere Teigfiguren oder Liebessymbole backen.” (nach Biber)

Symbolgebäck zur Julzeit

Generell ist Jul die Zeit des Gebäckes (“Weihnachtsplätzchen”) und es wird viel mit Honig als Zutat gebacken. Traditionelle Formen sind: Pferd oder Wilder Reiter, Hase, Storch, Schwan, Hirsch, Fisch, Radkreuz / Sonnenrad, Sterne, Schiff, Juleber, Hahn (der die wiedergeborene Sonne als erster begrüßt), Mann und Frau am Lebensbaum und viele mehr. Eine praktische Anleitung mit Rezept und Buchempfehlung ist hier zu finden: Symbolgebäck zur Julzeit

Julbogen

Der Julbogen wird auch Runen- oder Weihnachtsbogen genannt und geht auf den noch heute traditionell in Norddeutschland verbreiteten Jöölboom zurück. Mit etwas Geduld und gutem Willen ist er leicht selber herzustellen. Denn um die Vorjulzeit nicht zu lang werden zu lassen, bieten sich viele Möglichken des gemeinsamen Bastelns, Backens und Schmückens. Ganz wie die Julwichtel. Und als wir uns an die Arbeit machten unseren Julbogen zu bauen, haben wir einfach mitgeschrieben und einen Beitrag draus gemacht: Die Julbogen-Bauanleitung

Julleuchter

Etwas weiter oben unter Julritual wurde der Julleuchter bereits kurz erwähnt. Auf gleichermaßen einfache wie schöne Weise kann er in die Julzeit eingebunden werden: Durch das abendliche Entzünden der Kerze, die in der Vorjulzeit bis zur Wintersonnenwende noch im Innern des Leuchters, und dann später ab der Sonnenwende oben drauf steht. Und wie die folgenden Bilder zeigen, läßt sich so ein Leuchter ebenfalls selber herstellen. DIe großen Vorteile sind das rustikale, ursprüngliche Aussehen, daß er durch die Handarbeit gewinnt und vor allem lassen sich die Verzierungen selber auswählen. Zunächst werden etwas Ton aus dem Bastelladen, ein Küchenmesser zum Ausschneiden, ein feines Messer für die Symbolik und eine glatte Flasche oder Küchenrolle zum Ausrollen des Tons benötigt. Zuvor wäre die Vorbereitung von vier Schablonen aus Papier oder Pappe empfehlenswert, die später auf den ausgerollten Ton gelegt werden, um an deren Kanten entlangzuschneiden. Der Ton kann luftgetrocknet werden, ist dann aber natürlich nicht so stabil wie gebrannter Ton. Beim Brennen besteht hingegen die Gefahr, daß Lufteinschlüsse zum Bruch führen. Ich habe die ungebrannte, also luftgetrocknete Variante vorgezogen. Wer größeren Wert auf einen nicht gänzlich perfekten und nach Handarbeit anmutenden Leuchter legt, kann mit dieser Möglichkeit viel Freude haben. Hinzu kommt auch der Freiraum eigener Kreativität in der Gestaltung.