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Das Julfest: Losnächte, Neuentzünden des Feuers, Das Julritual, Weitere Jultraditionen

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Losnächte heißt das Julfest, weil man glaubt, in dieser ‘heiligsten Zeit des Jahres’ könne man mittels Runenweissagung (und anderen Methoden, wie z.B. dem Blei- oder Zinngießen) in die Zukunft schauen und erkunden, was das kommende Jahr bringt. Die Lose (Runen) wurden geworfen und gezogen, danach gedeutet.

Die Isa-Rune steht für die Kälte des Winters, für Ende und Erstarrung, Jera bildet (auch im bildlichen Sinne) das Scharnier zwischen den Jahren, Dreh- und Wendepunkt, steht für den Neubeginn des Jahreslaufs, auch für die Ernte des vergangenen Jahres. Eihwaz, die Eibenrune, steht für den Neubeginn, die Wende nach Jera, sie kann aber auch mit Odin und Weissagung assoziiert werden. Es sei darauf hingewiesen (auch ich wurde von einem netten Leser darauf hingewiesen), daß sich der Name des Julfestes nicht von “Rad” ableitet, auch wenn ‘jul’ (Julfest) und ‘hjul’ (Rad) in den skandinavischen Sprachen gleich ausgesprochen werden. Hjul (Rad) teilt sich mit dem englischen ‘wheel’ (oder dem altindischen ‘cakra’) eine gemeinsame indoeuropäische Wurzel, wohingegen der Ursprung von ‘jul’ (also im Sinne des Julfestes) umstritten ist.

Neuentzünden des Feuers

Das Herdfeuer zu hüten und dauerhaft zu erhalten, war eine vertrauenswürdige und notwendige Aufgabe. Nicht nur wegen seiner licht- und wärmespendenden Funktion. Es ist die Urkraft, die zur Wintersonnenwende neu entfacht wird.
Und das Feuerbohren oder -schlagen mit Zunder und Stein ist keine leichte Angelegenheit.

Interessanterweise lassen sich dazu Parallelen in den altindischen Veden finden. In Darstellungen der Rigveda wurde das Neuentzünden des Feuers (agni) mit einem Feuerbohrer vorgenommen. In dem Bodenbrett aus Weichholz befand sich eine Vertiefung (altindisch maya genannt), in die der Hartholzstab eingesetzt wurde und durch Reibung soviel Wärme erzeugte, daß eine Glut entstand. Somit galt maya als die göttliche Urkraft. Damböck erwähnt, daß aus maya in der christlichen Lehre “Maria” geworden sei, die Gebärerin und Mutter des Gottessohnes. Jesu Ziehvater war ein Zimmermann. Auch der Vater des göttlichen Urfeuers sei Zimmermann, weil er das Holzwerkzeug zur Feuererzeugung erschaffen habe.

Das Julritual

Das eigentliche Julritual findet in der Sonnwendnacht statt, also der Nacht nach der Mütternacht. Schon seit den Winternächten brannte tief im Julleuchter eine kleine Kerze. Der Julleuchter ist ca. 20cm hoch und nach dem in Halland, Schweden, gefundenen Vorbild meist turmförmig. Es wird begonnen, das Haus mit Wacholder- oder Salbeirauch zu räuchern. Das dient der Reinigung wie auch – nach anderer Deutung – der “Heimholung” der Ahnenseelen (Biber). Man trägt die Räucherung durchs Haus und spricht z.B. “Glück ins Haus! Unglück hinaus!”. Dann werden alle Lichtquellen ausgelöscht.

Kern der Feiern ist das Julfeuer. Dieses Feuer besteht idealerweise aus dem “Julholz”, einem speziellen Eichenholz-Block. Man hält nun ein Blot ab, ein Julritual, in dem man den Göttern für das scheidende Jahr danken und um ein neues, gutes Jahr bitten kann. Im Rahmen des Julrituals wird das Feuer neu erzeugt. Von diesem Feuer werden die Kerzen angezündet, die man ins Haus bringt, um dort weiteren Kerzen Feuer zu geben und beispielsweise den Kamin anzufachen. Die Kerze des Julleuchters wird nun oben auf diesen draufgestellt als Zeichen der Wiedergeburt des Lichtes. Am frühen Morgen, nach der Begrüßung der Sonne, bietet sich ein üppiges Frühstück an, wobei man für die Ahnen symbolisch den Tisch ebenfalls deckt. Die Asche des Julholzes wird als glücksbringend aufbewahrt. Hat man noch unverbrannte Reste des Holzes, dann bewahrt man sie ebenfalls auf und verbrennt sie im Julfeuer des nächsten Jahres. Die Asche kann auch dem Vieh unter das Futter gemischt werden. Wer nicht im eigenen Haushalt feiert, nimmt vom neuen Herdfeuer eine Kerze in einer Laterne mit nach Hause.

Weitere Jultraditionen

An den weiteren Abenden der Zwölfnächte wird ebenfalls zu Feiern zusammengekommen und es werden auch die sogenannten Juleide (jólaheiti) geschworen (also das heidnische Pendant zu den guten Vorsätzen zum Jahreswechsel) und darauf der Julbecher (bragarfull; mehr dazu unter Sumbel) getrunken. “An diesem Abend wurden Eide geleistet. Der Opfereber wurde vorgeführt, die Männer hielten ihre Hand auf ihn und legten dann ein Gelübde ab beim Trinken des Eidesbechers.” (Lied von Helgi Hjörwardssohn, nach Häny). Man beschenkt sich auch (Julklapp).

nornenWeiterhin gibt es die Tradition, den “Drei Schwestern / Mägden”, den “Heiligen Schwestern” oder “Saligen Fräulein” (= den Nornen) abends eine Opferschale zu füllen und über Nacht stehen zu lassen. Noch im 11. Jahrhundert war dieser Brauch der christlichen Kirche ein Dorn im Auge: “Hast du, wie manche Weiber es zu gewissen Zeiten zu tun pflegen, zu Hause einen Tisch aufgestellt mit Speis und Trank, damit jene drei Schwestern, die man in alten, törichten Zeiten Nornen nannte, kämen und davon genössen?” (Bischof Burchard von Worms, nach Biber)
Ein anderer Brauch sind lärmende Umzüge, um die Winterdämonen einzuschüchtern oder – nach anderer Deutung – die Natur wieder zu erwecken, damit im Frühjahr wieder alles grünt. Das lebt weiter in der heutigen Silversterknallerei.

In den Zwölfnächten soll man nicht arbeiten, da das Unglück bringen kann. Da das Rad des Jahres in diesen Nächten still steht, sollen bis zum Friggatag insbesondere solche Tätigkeiten nicht ausgeführt werden, bei denen sich Räder drehen (spinnen …).

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