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Bürgerprotest: Roswitha die Roßkastanie darf weiterleben

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Daß «BS 017350» einer Boulebahn und einem neuen Brunnen im Weg steht, war zwar in den Unterlagen und Plänen ersichtlich.

Interessiert hat es jahrelang niemanden; im Parlament war einzig umstritten, wie viele Parkplätze dem verschönerten Platz zum Opfer fallen. Bis ein paar Quartier­bewohner die Baupublikation genauer studierten und Einsprache erhoben.

Basel wollte einen seiner zigtausend Bäume fällen. Doch der Widerstand war zu groß.

In Behördensprech geht es um 
«BS 017350». Unter dieser Nummer ist die Rotblühende Rosskastanie (Aesculus x carnea) auf dem Basler Wiesenplatz im Baumkataster regis­triert. In Quartiersprech geht es um «Roswitha» oder «Rosie». So taufte die Bevölkerung den gut 60 Jahre alten Baum, genauer gesagt: jene Leute, die ihn retten wollten. «Rechtlich war unser Anliegen chancenlos, also mußten wir eine Kampagne starten», sagt Daniel Kurmann, der nah am Wiesenplatz wohnt. Ein Frauenname hilft dabei mehr als eine Katasternummer.

Denn der Baum sollte einem auf­gewerteten Wiesenplatz weichen. Das Projekt stieß anfangs nur auf Wohlwollen: Die Quartiervertreter freuten sich, daß sie im Mitwirkungsverfahren Wünsche anbringen konnten, der große Rat winkte den 4,9-Millionen-Kredit durch. «Das sieht wirklich toll aus», freute sich eine grüne Großrätin im Namen des Klybeck-Quartiers.

Daß «BS 017350» einer Boulebahn und einem neuen Brunnen im Weg steht, war zwar in den Unterlagen und Plänen ersichtlich. Interessiert hat es jahrelang niemanden; im Parlament war einzig umstritten, wie viele Parkplätze dem verschönerten Platz zum Opfer fallen. Bis ein paar Quartier­bewohner die Baupublikation genauer studierten und Einsprache erhoben.

1200 Unterschriften für einen Baum

Ab da hieß «BS 017350» plötzlich Roswitha und wurde zum lokalen Star. 1200 Personen unterschrieben eine Petition für ihren Erhalt, die «Basler Zeitung» forderte «laßt Rosie doch einfach leben!», und eine SP-Groß­rätin im Nationalratswahlkampf schaltete sich in die Debatte ein.

Vergessen ging dabei, daß Roswitha ersetzt und darüber hinaus neue Bäume bei den Tramhaltestellen gepflanzt werden sollten, so daß es insgesamt sieben zusätzliche Bäume gäbe. «Aber bis die neuen Bäume ebenso viel Schatten spenden, dauert es Jahrzehnte», klagt Kurmann; zudem gebe es im Quartier nur wenige Grünflächen. Na ja – in der Stadt Basel gibt es mehr als 26.000 katalogisierte Bäume, und das ist sicher weniger als die Hälfte; jene in privaten Gärten und in den Wäldern kommen noch hinzu.

Trotzdem beschloß die Stadt nach einer Sitzung mit Quartierbewohnern, daß Roswitha stehen bleiben darf. Das Baudepartement bastelte daraus sogar einen Erfolg in eigener Sache: Die Planänderung liege «ganz auf der Linie des Departements», schließlich würden jedes Jahr gegen 100 zusätz­liche Bäume gepflanzt, was Basel von Jahr zu Jahr grüner mache.

Allerdings hat es jetzt keinen Platz mehr für den neuen Brunnen. Halb so schlimm – das macht das Umbauprojekt 100.000 Franken billiger.