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Bücher: Peter Scholl-Latour – Weltmacht im Treibsand – Bush gegen die Ayatollahs

EM – „Dieses Buch ist nicht der Polemik, sondern der Betrachtung gewidmet“, versichert der Autor einleitend. Er schicke dies deshalb voraus, weil ihm immer wieder vorgeworfen werde, seine Bücher seien polemischer Natur.

Aber natürlich polemisiert Scholl-Latour, streckenweise jedenfalls und das im ursprünglichen Sinn des Wortes Polemik: in der Form der Streitkultur. Sein Widersacher ist dabei zum Beispiel die „in Deutschland praktizierte Selbstzensur der braven Anpassung an die ‚political correctness‘“. Sie nimmt er immer wieder aufs Korn. Und auch – dem Titel angemessen – die Welterlösungspläne der USA.

Noch einen Vorwurf versucht er gleich zu Anfang zu entkräften: den des Antiamerikanismus. Er zitiert dann genüßlich amerikanische Autoren, die mit ätzender Häme die Politik von George W. Bush kritisieren. Scholl-Latour läßt sie an seiner Stelle polemisieren. Denn Amerikaner sind natürlich nicht antiamerikanisch. Dennoch liefern sie dem Leser jede Menge Argumente für den gepflegten Antiamerikanismus.

Die Betrachtungen, die Scholl-Latour verspricht, darf man sich nicht im Sinne Jacob Burkhardts vorstellen. Neben Erzählungen vom Treffen mit namhaften Personen an den Hotelbars des Orients und Fahrten mit Militärs im ungepanzerten Mannschaftstransporter „Wolf“ sind es vor allem weltpolitische Thesen, die der weitgereiste Autor seinen Lesern bietet. Die von vielen in Ost und West gewünschte Annäherung Rußlands an Europa beispielsweise werde es nicht geben: „Die wirkliche Allianz der Zukunft wird […] nicht zwischen Europa und Moskau, sondern zwischen Moskau und Washington geschmiedet werden. Der revolutionäre Islamismus einerseits, die aufsteigende Weltmacht China andererseits, das sind die beiden historischen Herausforderungen, denen sich der globale Hegemonialanspruch Amerikas und die Überlebensstrategie Rußlands ausgesetzt sehen.“

Von Eberhart Wagenknecht

Was Peter Scholl-Latour vorausgesehen hat, ist eingetroffen:

Nicht nur im Irak, sondern im gesamten Nahen und Mittleren Osten entfaltet sich ein historisches Drama, das der Weltmacht USA ihre Grenzen aufzeigt. Aufgrund jüngster Eindrücke in der Konfliktregion und jahrzehntelanger Kenntnis der dort wirkenden politischen und religiösen Kräfte gelingt Scholl-Latour eine beeindruckende Analyse dieses notorischen Brennpunkts der Weltpolitik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2004

Wilfried von Bredow bewundert die Rüstigkeit des inzwischen 80-jährigen Peter Scholl-Latour, aber nicht nur das. Der Star unter den politischen Reportern habe nichts von seinen Fähigkeiten eingebüßt: “Ein erfahrungsgesättigter, durch etwas Altersstarrsinn kaum getrübter politischer Scharfsinn, das große Geschick, zu den ‘richtigen’ Interviewpartnern vorzustoßen und diesen auch noch aufSchlußreiche Äußerungen zu entlocken.” Diese Eigenschaften machen nach Meinung des Rezensenten auch sein neues Buch, entstanden nach Reisen durch Afghanistan, Iran, Irak und den Libanon, zu einer aufSchlußreichen und kontroversen Lektüre. Getreu seinem Ruf als “Sturmkrähe” charakterisiere Scholl- Latour die amerikanische Politik in der arabischen Welt als naiv und fahrlässig und zeichne – jedoch nicht im Stile eines “schrillen Lamento”, sondern angenehm vielschichtig – das “Monumentalgemälde eines politischen Desasters”. Und weil sich das auch noch liest “wie ein Abenteuerbericht” ist der Rezensent beinahe vollständig zufrieden – wenn Scholl-Latour nur nicht diesen bedauerlichen “Hang zur Selbststilisierung” hätte!

Biographische Anmerkung zu den Verfassen

Peter Scholl-Latour, geboren 1924 in Bochum. Promotion an der Sorbonne in Paris in den Sciences Politiques, Diplom an der Libanesischen Universität in Beirut in Arabistik und Islamkunde. Seitdem in vielfältigen Funktionen als Journalist und Publizist tätig, unter anderem als ARD-Korrespondent in Afrika und Indochina, als ARD- und ZDF-Studioleiter in Paris, als Programmdirektor des WDR-Fernsehens, als Chefredakteur und Herausgeber des STERN und als Vorstandsmitglied von Gruner + Jahr. Seine TV-Sendungen erreichten höchste Einschaltquoten, seine Bücher haben ihn zu Deutschlands erfolgreichstem Sachbuchautor gemacht. Peter Scholl-Latour verstarb 2014.

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