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Blauer Himmel über Peking: Keine Kohle mehr

Franz Alt 22.05.2015

Noch diesen Monat will die chinesische Führung ihren nationalen Plan zum Klimaschutz einreichen. «Ich bin zuversichtlich, daß eine klare Wende weg von fossilen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren Energien Bestandteil dieses Plans sein wird», sagt Wu Changhua von der internationalen Climate Group.

China verabschiedet sich in deutlichen Schritten von der Kohle

Jahrelang erlebten die Chinesen in Peking und Shanghai, in Kanton und Chengdu nicht nur im Winter, sondern auch noch im Frühjahr einen grauen Himmel über ihren Städten, dichten Smog in ihren Straßen und Feinstaubwerte um das Vielfache über den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation. Kinder durften nicht mehr im Freien spielen und Millionen Erwachsene trauten sich nur noch mit Schutzmasken auf die Straßen.

Ganz anders in diesem Frühjahr. Der China-Korrespondent der TAZ, Felix Lee, berichtet vom blauen Himmel über Peking, Jogger trauen sich wieder ohne Masken auf die Straßen und die Straßencafés haben Hochbetrieb. 2013 gab es in China noch 96.000 Aufstände wegen der katastrophalen Umweltpolitik der chinesischen Regierung. Deshalb hatte Chinas Premierminister Li Keqiang bei Amtsantritt vor zwei Jahren versprochen, Umwelt und Klimaschutz in den Mittelpunkt seiner Politik zu stellen und die Erneuerbaren Energien massiv auszubauen.

Bislang gewann das Reich der Mitte mehr als 70% seiner Energie aus Kohlekraft. Das ändert sich gerade deutlich. Erstmals seit vielen Jahren geht der Kohleverbrauch zurück, obwohl die Wirtschaft noch immer stark wächst.

Die Zahlen für 2014: 7% Wirtschaftswachstum, aber 6% weniger Kohleverbrauch als im Vorjahr. Ein gewaltiger Fortschritt. Premier Li Keqiang hat 2014 zusammen mit US-Präsident Obama erstmals überhaupt Klimaschutzziele genannt und für China akzeptiert. Danach sollten ab 2030 die CO2-Emissionen reduziert werden.

Doch Greenpeace China hat als unabhängige Organisation jetzt festgestellt, daß diese Ziele weit eher erreicht werden können, wenn die Regierung ihren jetzt eingeschlagenen Kurs weiter verfolgt. Die Gründe sind offensichtlich: Neben dem schon bisher stark forcierten Ausbau von solarer Wärme in Süd- und Ost-China wurden 2014 mit 12 Gigawatt Photovoltaik dreimal so viele Anlagen errichtet wie 2013.

Die Zahlen können sich sehen lassen. Hatten die Chinesen viele Jahre lang Solarzellen vor allem für den Rest der Welt hergestellt, verkaufen die chinesischen Firmen die Paneelen nun in großen Mengen an die eigenen Landsleute. So haben sie 2014 mit rund 12 Gigawatt dreimal so viele neue Solaranlagen errichtet wie im Jahr zuvor. Mit 18 zusätzlich installierten Gigawatt Windenergie im vergangenen Jahr kommt China auf insgesamt 115 Gigawatt Windkapazität – mehr Leistung als alle US-Atomkraftwerke zusammen.

Noch diesen Monat will die chinesische Führung ihren nationalen Plan zum Klimaschutz einreichen. «Ich bin zuversichtlich, daß eine klare Wende weg von fossilen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren Energien Bestandteil dieses Plans sein wird», sagt Wu Changhua von der internationalen Climate Group. In Paris werde China womöglich nicht mehr als Sündenbock in der Ecke sitzen, sondern zu den treibenden Kräften gehören.

Während in Deutschland in den letzten Jahren die PV-Industrie – politisch gewollt – beinahe zusammenbrach, wurde sie in China – ebenfalls politisch gewollt – dramatisch ausgebaut. Eine bewußte strategische Entscheidung der chinesischen Regierung. Das gilt noch mehr für die Windenergie. 2015 kommt China auf insgesamt 115 Gigawatt Windkapazität – das ist eine höhere Leistung als alle US-Atomkraftwerke zusammen.

Während es in Deutschland noch immer große Demonstrationen für Kohlekraft gibt, hat China ganz offensichtlich beschlossen, sich in deutlichen Schritten von der Kohle zu verabschieden. Deutschland war noch bis vor wenigen Jahren Weltmeister bei Solar- und Windenergie. Beide Titel hat es an China abgegeben – ohne Not, sondern aus Rücksichtnahme auf rückwärtsgewandte Interessen.