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Bitcoin-Welle macht Banken Angst

Unternehmen, die mit dem grassierenden Bitcoin-Fieber Geld verdienen wollen, haben Schwierigkeiten, traditionelle Bankkonten zu eröffnen.

Banken stünden Firmen aus dem Umfeld der virtuellen Währung argwöhnisch gegenüber, da sie fürchten, daß die Geschäfte gegen Geldwäschegesetze verstoßen oder die Unternehmen in illegale Machenschaften verstrickt werden könnten, erklären Führungskräfte aus der Finanzwirtschaft. Aufseher und Zentralbanken aus aller Welt haben in den vergangenen Monaten ähnliche Bedenken geäußert.

 

Firmengründer vermeiden “Bit”Bezeichnungen

Das Problem sei so erheblich geworden, daß einige Besitzer aufstrebender Firmen aus dem Segment versuchen, die strengen Prüfungen der Banken zu umgehen, indem sie die Wörter „Bitcoin” oder „Bit” im Firmennamen vermeiden, berichten Gründer und Investoren, die die Branche intensiv beobachten.

Bitcoin werden in immer mehr Geschäften akzeptiert. Banken sehen die virtuelle Währung deutlich skeptischer.

Patrick Murck, Chefsyndikus des Branchenverbandes Bitcoin Foundation, hat das Thema bei Treffen mit Regulierern und Bankvorständen zur Sprache gebracht. „Das erzeugt definitiv einen Engpass in der Branche”, sagte er in einem Interview. “Dass Firmen ein Bankkonto eröffnen können, ist notwendig, damit sie den nächsten Schritt gehen und eine zentrale Bitcoin-Infrastruktur aufbauen können.

Die Popularität von Bitcoin ist seit der Einführung vor vier Jahren explodiert. Die virtuelle Währung wird mit Hilfe von Computer-Algorithmen erzeugt – im Fachterminus wird der Prozess als “Mining” bezeichnet – und anschließend elektronisch getauscht, indem Nutzer Güter und Dienstleistungen kaufen. Aber auch als Geldanlage oder Spekulationsobjekt sind Bitcoin beliebt. Der Preis der Schattenwährung ist in den vergangenen Wochen extrem geschwankt. Seit Jahresbeginn ist er von weniger als 20 auf mehr als 1.100 Dollar gestürmt. Seither ist der Kurs jedoch laut dem Coin Desk Index, der die Preise an drei beliebten Bitcoin-Börsen berücksichtigt, auf etwa 638 Dollar zurückgefallen.

Finanzinvestoren springen auf den Bitcoin-Zug auf.

Die massiven Kursgewinne haben große Beteiligungsfirmen wie Accel Partners, General Catalyst Partners, Lightspeed Venture Partners und Union Square Ventures auf den Plan gerufen, die sich in den vergangenen Monaten bei Unternehmen mit Bitcoin-Bezug eingekauft haben.

Bei den Banken teilt man diesen Enthusiasmus nicht.

Der Gründer Jesse Powell berichtet, er habe im vergangenen Jahr rund 30 Banken angesprochen, um ein Konto für seine aufstrebende Börse für virtuelle Währungen namens Kraken zu eröffnen. Bitcoin-Börsen brauchen Bankkonten, um Überweisungen von ihren Kunden annehmen zu können.

“Ich habe mit Unmengen von ihnen gesprochen und kam ziemlich weit. Letztlich hat sich das alles aber als Zeitverschwendung erwiesen, da die Compliance-Abteilungen [der Banken] den Hahn zudrehten”, sagt er. Nachdem er in den USA nicht weiterkam, fand Powell letztlich eine Bank in Deutschland.

Im vergangenen Monat allerdings habe die Bank of America das Konto eingefroren, über das die Kraken-Muttergesellschaft Payward ihre Geschäfte finanziere, berichtet Powell. Er sagt, die Bank habe das Konto am 2. Dezember geschlossen, nachdem er einen Fragebogen der Bank of America über die Geschäfte von Payward beantwortet habe.

“Es war – gelinde ausgedrückt – ein totaler Alptraum”, sagt Powell, der sich in seiner Not an seine Hausbank wandte. Der Unternehmer bezahlt seine Mitarbeiter wahlweise in Bitcoin oder Dollar.

Bitcoin: Freund oder Feind?

Die Bank of America wollte sich zu der Angelegenheit nicht im Detail äußern. „Wir unterstützen Kunden in einer Vielzahl von Branchen und unterziehen Finanzdienstleister – auf Anordnung der Regulierer – einer zusätzlichen Prüfung”, erklärte ein Sprecher lediglich.

“Es ist wirklich sehr schwer, ein Bankkonto zu bekommen, da die Banken nicht wissen, ob Bitcoin Freund oder Feind ist”, sagt Meyer “Micky” Malka, Ex-Banker und Gründer von Ribbit Capital, einem Finanzinvestor aus der Technologiehochburg Palo Alto, der in drei Bitcoin-Firmen investiert hat.

Großbanken wollten sich auf Anfrage nicht dazu äußern, ob sie spezielle Bestimmungen für Firmen mit Bitcoin-Bezug haben, erklärten aber, daß virtuelle Währungen eine besonders intensive Prüfung erforderten.

Im vergangenen Monat allerdings habe die Bank of America das Konto eingefroren, über das die Kraken-Muttergesellschaft Payward ihre Geschäfte finanziere, berichtet Powell. Er sagt, die Bank habe das Konto am 2. Dezember geschlossen, nachdem er einen Fragebogen der Bank of America über die Geschäfte von Payward beantwortet habe.

“Es war – gelinde ausgedrückt – ein totaler Alptraum”, sagt Powell, der sich in seiner Not an seine Hausbank wandte. Der Unternehmer bezahlt seine Mitarbeiter wahlweise in Bitcoin oder Dollar.

Zehn Dinge, die sich mit Bitcoin kaufen lassen

“Die Banken treffen ihre eigenen Entscheidungen darüber, welche Kunden sie akzeptieren. Aber Bereiche wie die der virtuellen Währungen, die ein erhöhtes Risiko bergen, erfordern ein gesteigertes Risiko-Management und mehr Kontrollen”, sagte ein Sprecher des amerikanischen Office of the Comptroller of the Currency, einer Bundesbehörde, die Banken beaufsichtigt.

Tatsächlich scheinen die einzelnen Banken unterschiedlich mit der neuen Modewelle umzugehen. Bei Wells Fargo, WFC -0,22% der nach Marktkapitalisierung größten Bank der Welt, erklärte eine Sprecherin, man sehe Bitcoin als „sich schnell entfaltenden Bereich” und werde daran arbeiten, daß “wir sicherstellen, daß wir unsere Sorgfaltspflichten bei der Bereitstellung jeglicher Bankendienstleistungen an jegliche Geld-Übermittler einhalten”. Dazu zähle die Prüfung der amtlichen Eintragung und staatlicher Lizenzen ebenso wie die Kontrolle des Geschäftshintergrunds und eine Geldwäsche-Prüfung.

J.P. Morgan scheut virtuelle Währungen komplett

JPM +0,91% J.P. Morgan dagegen mache überhaupt keine Geschäfte mit Geld-Übermittlern, berichtet eine Person, die mit der Firmenpolitik vertraut ist. Die Bank war dieses Jahr stark in den Fokus der Regulierer gerückt und hat das Geschäft in einigen Bereichen, die als riskant erachtet werden könnten, erheblich zurückgefahren.

John Reitano hat gar nicht erst versucht, bei einer der großen Finanzadressen ein Konto zu bekommen, als er in diesem Jahr Coinflash gründen wollte. Das Unternehmen will ein Handelsnetz für Bitcoin aufbauen, ähnlich den Geldwechselstuben an Flughäfen

“Wir sind zu einer Reihe kleinerer Banken gegangen und haben ihnen erklärt, was wir tun. Aber auch wir wurden abgelehnt”, berichtet Reitano. Letztlich habe er aber gar kein Bankkonto gebraucht. Das Unternehmen sei an regulatorischen Hürden gescheitert und gar nicht erst an den Start gegangen.

Zu den wenigen Banken, die Bitcoin-Unternehmen als Kunden akzeptieren, gehört die Silicon Valley Bank – ein kleines Institut aus Kalifornien mit Einlagen in Höhe von 23,7 Milliarden Dollar. Die Bank hat einen speziellen Prüfungsprozess für Firmengründungen in dem Bereich aufgesetzt und ist “außerordentlich wählerisch”, wie Bruce Wallace, Vorstand für das operative Geschäft, erklärt.

Wallace sagt, die Versorgung von Bitcoin-Unternehmen passe zum Geschäftsmodell seiner Bank, die innovative Unternehmen und „disruptive” Firmen unterstütze. Allerdings “kann ich definitiv verstehen, daß einige andere Finanzinstitute, bei denen dies nicht zum Kerngeschäft gehört, zweifeln, ob sie überhaupt das Risiko eingehen wollen.