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Nobelpreisträger Geim: Basiswissenschaften könnten die Menschheit retten

Stimme Rußlands, 09- Juni 2013, Sergej Dus

Der berühmte Physiker und Nobelpreisträger Andre Geim hat den baldigen “Weltuntergang”, das Ende der uns bekannten menschlichen Zivilisationen, vorausgesagt. Ohne Unterstützung der Basiswissenschaft könnte dies in 50 Jahren geschehen.

Der ehemalige sowjetische Forscher, zurzeit Bürger Hollands und Knight Bachelor Großbritanniens Andre Geim hat unerwartet seine Heimat besucht, um persönlich an der Diskussion über die Zukunft der russischen wissenschaft teilzunehmen. Sein öffentliches Engagement erklärt er mit dem Wunsch, Basisforschungen zu fördern, ohne die das Land zurückbleiben wird.

Andre Geim ist mit jenen Kritikern des russischen Wirtschaftmodells nicht einverstanden, die die russische Abhängigkeit vom Öl- und Gasexport als Hauptproblem bezeichnen. Sie bremst zwar die Entwicklung, aber an diesem Problem leidet nicht nur Rußland: “Alle Länder denken so – man soll Abhängigkeiten loswerden; sie sind aber in allen Staaten verschieden“, sagt Andre Geim.

Das Hauptproblem der ganzen Welt ist nach der Meinung von Geim ein anderes – man braucht Durchbrüche in der Basiswissenschaft. Unsere Technologien sind kaum effizient. Der Forscher führt folgendes Beispiel an: Vor zehn Jahren wechselten wir alle zwei Jahre die Computer – sie wurden so schnell erneuert. Wenn wir heute Computer oder Handys wechseln, verfügen sie über minimale Verbesserungen, die nicht im Inhalt, sondern im Aussehen bestehen.

Der Nobelpreisträger meint, daß die Welt ein neues Paradigma, einen neuen Zustand der globalen Wirtschaft erlebt: “Uns steht globale Stagnation bevor. Niedrig hängende Früchte haben wir schon geerntet und werden zu unseren Fehlern der letzten 50 Jahre stehen müssen, wo wir nichts zur wissenschaft und den Basistechnologien beigetragen haben.“

Dieser Bezeichnung der heutigen Krise stimmen viele Kollegen des Forschers zu. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Russischen Akademie der wissenschaften, Professor der Fakultät für globale Prozesse an der Moskauer Staatlichen Universität Sergej Malkow sagt dazu Folgendes:

  • “Es ist eine gefährliche Zeit, weil sich die Wirtschaftskrise noch etwa sieben Jahre zuspitzen wird. Dies kann und wird zur weiteren politischen Instabilität führen. Wir sehen das schon. Im Endeffekt müssen wir aber optimistisch sein. Hoffentlich wird der Übergang zur neuen Stufe der wirtschaftlichen Entwicklung ohne ernste soziale und politische Erschütterungen erfolgen.“

Derselben Meinung ist der stellvertretende Chefredakteur der Zeitschrift “wissenschaft und Leben“, Doktoranwärter der technischen wissenschaften Dmitri Sykow:

  • “In den letzten 20 Jahren hat die wissenschaft weltweit gerade an der Entwicklung ihrer Basisrichtungen eingebüßt. Das macht große Sorgen, in dem Sinn, den Geim gemeint hat: Man hat alle möglichen Technologien verbraucht und nichts Neues erfunden. Ich denke aber, daß er ein wenig übertreibt. Es sieht nicht so schlecht aus. Bei weiterer Entwicklung können neueste Technologien an der Grenze zwischen Physik, Biologie, Medizin und Chemie geschaffen werden. Auch Computertechnologien. Es geht um komplexe Elektronik, “kluge“ selbstlernende Systeme, selbstregenerierende Systeme und den darauf basierenden Maschinenbau, Bau, Transport und Energetik.“

Eigentlich stellen die Forscher das fest, was seit langem schon bekannt ist, auch aus der Erfahrung Rußlands: Nur der Staat kann die große wissenschaft fördern, weil er Prognosen macht, sich strategische Ziele setzt. Das Business will dagegen immer “hier und jetzt“ Profite herausschlagen.

Experten können nicht voraussagen, welche Bereiche der Basiswissenschaft die aussichtsreichsten bezüglich der Zukunft sind. Sie behaupten jedoch, daß die Ausgaben für die Forschung minimal im Vergleich zu ihrer Rückgabe sind. Jeder, der daran spart, begeht damit ein Verbrechen an der Zukunft der Menschheit.