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Bargeldabschaffung – sind wir schon mitten drin?

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Autor Thomas Sailer scheint mit seinem Roman „Die Aktivistin“ erschreckende Parallelen zur aktuellen Situation getroffen zu haben. Denn die Realität holt die Fiktion offensichtlich schneller ein als manchen lieb ist.

Die Aufschreie verhallten schnell – ein fahler Nachgeschmack blieb, als wieder einmal ein „Wirtschaftsweiser“, Peter Bofinger, die Abschaffung des Bargelds forderte. Er reiht sich damit in den Reigen derer, die dasselbe fordern; jeweils mit Argumenten, die zwar einleuchten, die möglichen weiteren Folgen (vor allem für „Otto-Normalverbraucher“) jedoch ausblenden.

So argumentiert Bofinger, daß mit der Abschaffung des Bargeldes Korruption und Drogenhandel Einhalt geboten werden könne; US-amerikanische Wirtschaftswissenschafter wie Rogoff und Summers argumentierten bereits früher mit jenen Negativzinsen , welche zurzeit im Banken- und Versicherungswesen verhängt werden. Die Abschaffung des Bargeldes und reine Digitalisierung des Geldes würde eine Ausweitung auf Privatvermögen ermöglichen, da sämtliche Ersparnisse nachvollziehbar wären. Bargeld sei in Rogoffs Argumentation das entscheidende Hindernis weiterer Zinssenkungen der Zentralbanken; dessen Abschaffung entspräche einer „eleganten Lösung“ des Problems.

Die Folge wäre, daß Privatpersonen Monat für Monat all ihr Geld ausgeben würden – damit wäre einen kurzfristiger, positiver Effekt auf die Wirtschaft erreicht; die Betonung liegt allerdings auf dem Begriff „kurzfristig. Sparen würde stetig unattraktiver und womöglich eines Tages gar nicht mehr möglich – abgesehen von den bereits erwähnten Negativzinsen könnte privater Geldbesitz, der lediglich als digitaler Wert auf einem Konto existiert, unproblematisch über kurzfristig verabschiedete Sondersteuern an Banken oder Regierungen übereignet werden.

Neben diesen äußerst bedenklichen Aussichten kommt noch jene der absoluten Kontrolle durch Banken und Regierungen (und der Wirtschaft) hinzu – was Sie einnehmen, was Sie ausgeben – der Finanzaufsicht entgeht dann kein Cent mehr. Falls Ihnen jetzt gerade schlecht wird – uns geht es genauso…

Aber was geschieht tatsächlich in Richtung Bargeld-Abschaffung?

Aktuell werden in Dänemark ab 2017 keine Geldscheine mehr gedruckt und ab 2016 müssen Einzelhändler, Restaurants und Tankstellen kein Bargeld mehr annehmen.

Auch Schweden befindet sich auf direktem Kurs in Richtung bargeldloser Gesellschaft: Das Busticket oder beim Bäcker mit Bargeld bezahlen? Fehlanzeige! Die Swedbank hat angekündigt weder Bargeld anzunehmen, noch welches auszugeben; Parolen wie „Bargeldfrei jetzt!“, „Bargeld braucht nur noch deine Oma – und der Bankräuber“ oder „Bargeld ist das Blut in den Adern der Kriminalität“ sind gegenwärtig Teil einer gezielten Kampagne, getragen von der Gewerkschaft für Finanzdienstleister „Finansförbundet“ und „Svensk Handel“, mit dem eindeutigen Ziel die Bevölkerung von der Bargeldabschaffung zu überzeugen.

In Frankreich wird ab September 2015 die Obergrenze von 3.000 Euro für Bargeldzahlungen auf 1.000 Euro abgesenkt.

Frankreich ist damit in guter Gesellschaft und zieht in einer Entwicklung nach, welche EU-weit bereits im vollen Gange ist. So hat Belgien bereits im Vorjahr die Maximalbeträge (von 5.000 auf 3.000 Euro) gesenkt, in Spanien liegt dieser seit 2012 bei 3.500 Euro, Italien verbietet Beträge über 1.000 Euro ebenfalls schon seit 2012.

Und in Griechenland sind seit Jahresanfang 2011 Bargeschäfte ab 1.500 Euro illegal, wenn zumindest ein Partner gewerblich aktiv ist; mittlerweile gilt eine Obergrenze von 500 Euro – in den aktuellen Verhandlungen mit den Geldgebern des Landes soll gar eine Grenze von 70 Euro im Gespräch sein.

Doch nicht nur auf nationaler Ebene haben viele Staaten dem Bargeld den Krieg erklärt – auch von Seiten der EU-Kommission gibt es immer wieder Versuche, das Bargeld zu verdrängen. So hat etwa jeder EU-Bürger ab 2016 das Recht auf ein Basiskonto: Ein Recht, welches schnell zur Pflicht werden kann – und den Weg für ein absolutes Verbot von Bargeld ebnen würde.

Eine weitere begünstigende Verordnung betrifft die Deckelung von Kartengebühren, welche noch heuer in Kraft treten wird.

Derartige Entwicklungen werden in Österreich und Deutschland wohl noch länger auf sich warten lassen, da die Bevölkerung hier, was den Umgang mit Bargeld angeht, eher konservativer scheinen. So erfolgen in Österreich lediglich 11 % des Zahlungsvolumens über Karten, während in Finnland bereits 43 % und in Schweden satte 56 % bargeldlos beglichen wird.

Dementsprechend versuchten die Österreichische Nationalbank und Deutsche Bundesbank schon bald nach Bofingers Aussagen zu beschwichtigen – nebenbei sei bemerkt, daß auch Bofinger mittlerweile mit seinen Forderungen „zurückrudern“ mußte. Nichtsdestotrotz existieren auch hierzulande z.B. schon Tankautomaten, an denen ausschließlich mit Karte bezahlt werden kann.

Zusammenfassend läßt sich also sagen, daß das Zahlungsmittel „Bargeld“ sukzessive unter dem Vorwand der Bequemlichkeit und Rechtschaffenheit unterwandert wird. Auffallend sind EU-Verordnungen wie die Deckelung von Kartengebühren, das „Recht auf ein Konto“ und die schon heute gängige Praxis in einzelnen Staaten, die Bargeldannahmepflicht aufzuweichen und das Ausbleiben von Sanktionen, wenn Bargeld nicht mehr akzeptiert werden muß, obwohl es laut Artikel 128 des EU-Vertrags gesetzliches Zahlungsmittel ist.

Es darf daher angenommen werden, daß es nicht nur Pläne zur Abschaffung des Bargelds gibt – sondern auch, daß deren Umsetzung schon seit geraumer Zeit im Gange ist.

Original erschienen auf: http://www.serendii.com/bargeldabschaffung-sind-wir-schon-mitten-drin/