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Aufprall-Gefahr: Baut die Fed ein Zins-Kliff auf ?

Markus Gaertner, 04. Jänner 2013

Dieser Donnerstag anfangs Jänner 2013 hielt für Börsianer in New York eine Schrecksekunde bereit. Mehr als das. Die Laune am Aktienmarkt der Wall Street war so ziemlich verdorben, nachdem das jüngste Sitzungs-Protokoll aus dem Offenmarkt-Ausschuss bekannt wurde.

Darin heißt es, daß “einige” (several) Mitglieder zögerten, die ultra-lockere QE-Politik über die Mitte des Jahres 2013 hinaus fortzusetzen.

Autsch ! Hatten die US-Währungs-Vernichter nicht vor ein paar Wochen erst bekannt gegeben, daß sie den Fuß erst vom Gaspedal nehmen, wenn die Arbeitslosigkeit unter 6,5% sinkt ?

Entweder, das wird schon wieder gekippt, was nicht typisch wäre für die saurierartig beständigen Verhaltensweisen der Geldhüter oder die Mitglieder dieses Entscheidungsgremiums sehen – weil das Budget-Kliff ja angeblich umschifft wurde – wieder mehr rosa am Horizont und erwarten, daß sie dem Ziel von 6,5% am Arbeitsmarkt schneller nahe kommen als bis vor kurzem gedacht.

An diesem Jännerabend wurde jedenfalls im US-Wirtschaftsfernsehen und in den Blogs heftig diskutiert, ob der Hinweis im Fed-Protokoll überhaupt eine mögliche Straffung der Zügel darstellt. Klar ist: Die Aktien gingen runter, der Dollar stieg und stieg während der Nacht weiter.

Die ersten Analysten – wie Steven Englander bei der Citigroup – warnen vor einem Szenario wie anno 1994, als die Fed urplötzlich die Zügel straffte und die Anleihe-Märkte unsanft aus dem Gleichgewicht brachte. Die Rendite der 10jährigen US-Staatsanleihe schoss damals binnen 2 Monaten um 170 Basispunkte in die Höhe.

About the author Markus Gaertner ist freier Wirtschafts-Korrespondent mit Sitz in Vancouver und schreibt über Nordamerika für einige der führenden Publikationen in Deutschland, darunter das Manager Magazin, die Börsen-Zeitung und den Immobilien Manager
Auweia, das wären 22 Mrd. Dollar mehr Zinsen auf die Schulden, die für den laufenden Bundeshaushalt in Washington aufgenommen werden müssen. Ach nein, doch nicht. Die Fed überweist ja die Zinseinnahmen auf die Staatsanleihen als Gewinn an die Administration zurück. 80% der US-Schulden werden deshalb im Augenblick zinsfrei aufgenommen. Clevere Leute sind das doch in Washington !

Immerhin jetzt ist die Rendite ja schon wieder bei 1,9%. Vor ein paar Wochen sah man sie noch bei 1,5%. – Besteht das “New Normal” jetzt aus so vielen Kliffs, daß wir sie kaum noch zählen können ?