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Auferstehen aus Ruinen? “Der Crash ist die Lösung” nach dem “Größten Raubzug der Geschichte”

Wir alle werden Wohlstand verlieren

Im Kapitel 6 geht es dann ans Eingemachte, es geht um Enteignung, Zwangsabgaben und Inflation („Wir hoffen, Sie sitzen. Aber vielleicht haben Sie es ohnehin schon geahnt, und wir müssen Ihnen ‚nur‘ noch erklären, warum Ihre Ahnungen tatsächlich zutreffen“; CidL, S. 203):

„Erstens: Die Zeit der Rendite ist vorbei.

Zweitens: Wir alle werden Wohlstand verlieren – oder an andere abgeben müssen.“
Die Staaten und Notenbanken der Welt, so Weik und Friedrich, hätten seit 2008 das bestehende todgeweihte Finanzsystem vor dem sicheren Exitus bewahrt und sich selbst dafür durch Verschuldung an den Rand des finanziellen Kollapses manövriert. Die nächste große Banken- und Finanzkrise, die kommen werde, würden die Länder nicht mehr aus eigener Kraft stemmen können. Oder anders ausgedrückt: irgendwann muß die Rechnung ja bezahlt werden, irgendwann helfen keine Haftungen und weitere Aufschuldungen mehr, sondern es muß das Geld fließen oder die Schulden erlassen werden. Es geht nur noch darum, welchen Weg man einschlagen will, um die Bürger zu Kasse zu bitten und „dem System noch ein wenig mehr Lebenszeit zu ermöglichen“ (CidL, S. 210).

Um das Thema „Zwangsabgabe und Enteignung“ zu illustrieren, müssen Matthias Weik und Marc Friedrich nur die schon stattfindende Diskussion um Schuldensteuern und Vermögensabgaben schildern (CidL, S. 204 ff.):

Im Herbst 2013 bringt der IWF eine einmalige Schuldensteuer von 10 Prozent auf alle Vermögen (Sparvermögen, Wertpapiere und Immobilien) ins Gespräch.

Im Dezember 2013 empfehlen die Ökonomen Reinhart und Rogoff in einem IWF Arbeitspapier ein Bündel an Maßnahmen zur Lösung der Krise: höhere Inflation, Kapitalkontrollen, Schuldenschnitte, Zwangsabgaben, eine Steuer auf Ersparnisse. „Alle bisherigen Aktionen werden als nicht ausreichend beschrieben und die Autoren legen dar, daß es wesentlich radikalere und härtere Schritte erfordert, um eine Besserung herbeizuführen – und zwar weltweit!“ (CidL, S. 205).
In die gleiche Richtung wie der IWF im Herbst geht der Vorschlag der Bundesbank im Januar 2014 über eine Vermögensabgabe. Der Vorschlag ist hier noch auf die Vermögenden der Euro-Krisenstaaten bezogen.

Im Februar 2014 wird gemeldet, daß die EU-Kommission, um die Finanzierungslücke für Unternehmen zu schließen (da die Banken sich ja leider verweigern), über ein Gesetz nachdenkt, mit dem sich die Pensionsgelder der 500 Millionen EU-Bürger für langfristige Projekte anzapfen lassen. Weik und Friedrich fragen zu recht: „Darf man sich dem Zugriff auf die eigenen Pensionen verweigern? Wer trägt das Risiko, wenn die Investition schiefläuft?“ (CidL, S. 208).
Zugriff auf die Altersvorsorge von Millionen

Seit 2013 ist bereits ein europäisches Gesetz zur CAC-Klausel (Collective Action Clause) installiert. Alle, die Staatsanleihen direkt als Anlageform gewählt haben oder die Lebensversicherungen, Rentenversicherungen, Rentensparverträge oder Anteile an konservativ aufgestellten Fonds besitzen, sind betroffen. Alle Staatsanleihen, die seit 2013 ausgegeben werden, enthalten diese Klausel über das kollektive Handeln. Die Klausel besagt: Alle Besitzer von Staatsanleihen können gegen ihren Willen im Notfall rückwirkend enteignet werden. Das heißt, falls die Euro-Rettung wieder so richtig in Schwung kommt, könnte die private Altersvorsorge von Millionen Menschen dabei völlig legal in Mitleidenschaft gezogen werden. Koste es, was es wolle … ….

Es ist jedenfalls auffallend, daß inzwischen so intensiv über alternative Wege der Schuldenbeseitigung durch Vermögenssteuern nachgedacht wird. Der Grund könnte auch darin liegen, daß einigermaßen klardenkende Ökonomen die Handlungsmöglichkeiten im bestehenden System als ausgereizt sehen, also im Grunde derselben Meinung sind wie unsere Autoren.

Eine in der Geschichte der Staatswesen immer wieder erprobte Enteignungsmaßnahme ist natürlich die Inflationierung der Währung. Allerdings sind die Dinge in einer global vernetzten Wirtschaft unübersichtlicher und komplexer als z. B. zur Zeit der Inflation im Deutschland der Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Die Autoren schildern das „Dilemma der Notenbanken“ der entwickelten Staa-ten, die, um auch den kleinsten Wirtschaftseinbruch zu vermeiden, seit Jahren einen verhängnisvollen Kurs der dauernden Zinsverbilligung fahren, der das Finanzsystem mit Geld geflutet hat und damit auch gewährleistet hat, daß die Anleihen der Staaten weiter abgekauft wurden und sie sich weiter verschulden konnten. Jede Erhöhung der Zinsen würde die Wirtschaft abwürgen und auch die Möglichkeiten zur Schuldenaufnahme der Staaten, so daß durch Staatsbankrotte das Finanzsystem zusammenbrechen würde.

Notenbanken spekulieren auf Inflation

Weik und Friedrich neigen zu der Ansicht, daß die Notenbanken versuchen werden, die Verschuldung der Staaten durch weitere Inflationierung abzubauen, in der Hoffnung damit den großen Crash zu vermeiden. Diese Hoffnung – und das ist keine Überraschung für den Leser, der ihnen bis dahin gefolgt ist – teilen die Schwaben allerdings nicht. Zurzeit tobt noch der Meinungskampf darüber, wie die aktuell ohne Zweifel vorhandene negative Realverzinsung einzuschätzen ist. Die niedrigen Zinsen für konservativ angelegte Spargelder können nicht einmal mehr die niedrige offizielle Inflationsrate ausgleichen. Um hier noch einen Ausgleich zu schaffen müsste man in Risikoanlagen gehen. Allerdings misstrauen Weik und Friedrich der offiziell ermittelten Inflationsrate und halten die echte, nicht über statistische Tricks ermittelte Teuerungsrate für sehr viel höher:

„Ein Maßstab für die ‚echte Inflation‘ könnte vielleicht die Erhöhung der Diäten unserer Politiker der letzten Jahre sein. Obwohl die Kassen leer sind, wurden diese im Jahr 2012 um 3,8 Prozent, 2013 um 3,66 Prozent und im Februar 2014 um satte 10 Prozent auf nunmehr 9082 Euro pro Monat angehoben.“ (CidL, S. 224)

Es gibt also schon eine höhere Inflation, nur das könnte erst der der Anfang sein. Angesichts der aktuellen Geldflutpolitik der Notenbanken zur Rettung von Staaten und Banken halten die beiden Autoren einen Zusammenbruch der Währungen, der schließlich in eine Hyperinflation münden wird, für unvermeidbar:

„Wenn die Geldflut die Realwirtschaft dann doch unter Wasser setzt – und irgendwann muß und wird das passieren – dann ist auch beim Letzten das Vertrauen in die fatale monetäre Rettungspolitik zerstört. Alle Hoffnungen der Zentralbanken, sie könnten ihr billiges Geld irgendwann wieder ‚einsammeln‘, sind pure Illusion. Wir werden daher im Anschluss an eine deflationäre Phase eine Inflation erleben, die schließlich in einer Hyperinflation enden wird. Danach werden ein Währungsschnitt und eine Währungsreform durchgeführt. Wer Augen hat zu sehen, kann dies heute schon erkennen.“ (CidL, S. 216)

Alle Bürger werden enteignet…

Beim Thema „Währungsreform“ hätten die Autoren noch etwas deutlicher werden können, denn man kann noch in Ergänzung zu den Aussagen der Autoren anmerken: Nach einer Währungsreform, in der mit großer Wahrscheinlichkeit die Sparvermögen rasiert werden, werden dann Konzepte für den Zugriff auf sonstige Vermögenswerte auf den Tisch gelegt, wie sie – z. B. von IWF oder Bundesbank – schon weiter oben aufgeführt wurden. Denn Vermögen, die nicht der Geldentwertung anheim fallen, sind für den Staat dann als Objekt von Ausgleichsmaßnahmen und zur Befriedung der Gesamtsituation unerlässlich. Vielleicht nennt man das Ganze wie nach 1945 erneut Lastenausgleich oder erfindet kreativ neue Begriffe wie Sozialausgleichsbeitrag, Vermögensabgeltungszahlung, Entschuldungssteuer, Solidaritätsabgabe oder anders, aber es wird darauf hinauslaufen, daß alle Bürger mit Vermögenswerten in einer gewissenForm enteignet werden.

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Für die Autoren ist ganz klar, daß die Bürger große Verluste erleiden werden, und wer sich nicht vorbereitet, könnte alles verlieren