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Auferstehen aus Ruinen? “Der Crash ist die Lösung” nach dem “Größten Raubzug der Geschichte”

Veröffentlicht am 17. Mai 2014 von Grinario in Wirtschaft in http://www.geolitico.de

Der Crash ist die Lösung“ schreiben Matthias Weik und Marc Friedrich in ihrem Buch. Aber können wir wirklich sicher sein, daß nicht Diktatur und Krieg aus den Ruinen kriechen?

“Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,
Und neues Leben blüht aus den Ruinen.
Friedrich Schiller, „Wilhelm Tell“

Die Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik haben mit ihrem ersten Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ einen Bestseller geschrieben. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013 in Deutschland. Nun haben sie ihr zweites Buch veröffentlicht, und natürlich ist das Interesse groß, ob dieses Nachfolgewerk auf eine ähnlich große Resonanz bei den Lesern stoßen wird wie ihr erstes Buch. Man kann die beiden in viele Schubladen stecken: Ökonomen, Finanzexperten, Schwarzseher, Redner oder Bestsellerautoren. Meiner Meinung nach wird man ihnen wohl am besten gerecht, wenn man sie als Querdenker bezeichnet, die im Einheitsbrei der Mainstream-Ökonomie eine gänzlich andere und politisch überhaupt nicht korrekte Gegenmeinung zum Ausdruck bringen.

Matthias Weik studierte internationale Betriebswirtschaft in Aalen und Australien. Sein Kindergartenfreund Marc Friedrich studierte internationale Betriebswirtschaftslehre und hat 2001 in Argentinien einen Staatsbankrott und dessen Folgen am eigenen Leib erlebt. Die beiden Autoren betreiben eine Firma zur Vermögenssicherung, sind Honorarberater und halten Seminare und Fachvorträge zum Thema „Vermögenssicherung“ ab.

Es kommen schwere Zeiten

Fast will es scheinen, daß die beiden Schwaben mit dem Titel ihres neuen Buches „Der Crash ist die Lösung“ eine Umschreibung der am Anfang zitierten Verse des schwäbischen Klassikers Friedrich Schiller für das 21. Jahrhundert finden wollten. Mit dem Untertitel „Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“ machen sie jedenfalls klar, daß ihrer Meinung nach schwere Zeiten auf unsere Gesellschaft zukommen werden, vor allem auf die Menschen der Mittelschicht.

Das Finanzsystem ist gescheitert, wir befinden uns aus Sicht der Autoren in einer Endzeit. Die Frage ist nicht, ob der endgültige Zusammenbruch kommt, sondern wann. Dies im Gedächtnis zu behalten, ist für das Verständnis des neuen Sachbuchs und der Ziele, die Weik und Friedrich damit verfolgen, unerlässlich. Und die Höllenfahrt unseres Finanzsystems muß nicht völlig vergebens sein, so behaupten die Autoren, es kann auch zu einer Chance werden. Erst wenn das Alte völlig zusammengefallen ist, kann etwas Neues aus den Ruinen erwachsen.

Der Begriff „finaler Kollaps“ bezieht sich vor allem auf unser Finanz- und Währungssystem und kann in diesem Zusammenhang auch schon bei einem der bedeutendsten Ökonomen der Österreichischen Schule, Ludwig von Mises, nachgelesen werden. Der schrieb, daß man den „finalen Kollaps“ eines durch Kreditexpansion ausgelösten Booms nicht vermeiden könne. Gebe man diese nicht freiwillig auf, werde es unvermeidlich zu einer Wirtschaftskrise zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen.

Diese Sichtweise ist sicherlich auch in das Buch eingeflossen, aber die beiden Autoren sind, soweit ersichtlich, keine „Austrians“, also keine reinen Vertreter deren Theorien. Das kann man schon daran erkennen, daß die Deregulierung der nationalen und internationalen Finanzmärkte seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts scharf kritisiert wird und von den Autoren als eine der Ursachen für die Finanzkrise angesehen werden. Neben der Chicagoer Schule Milton Friedmans wird auch der „Austrian“ Friedrich August Hayek mit seinen „marktradikalen Lehren“ als Vordenker der Deregulierung genannt (Der Crash ist die Lösung, in der Folge „CidL“, S. 21). Die Autoren sind hier klare Verfechter von gesetzlichen Vorgaben und Einschränkungen der Finanzmärkte (siehe dann auch ihre Lösungsvorschläge für eine Bankenwelt nach dem Crash).

Staat und Teufel

Eine eventuelle Nähe zu eher libertären Positionen könnte man eventuell auch durch das einstimmende Leitzitat am Anfang des neuen Buches vermuten, es ist einem Werk der amerikanischen Schriftstellerin und Philosophin des freien Marktes Ayn Rand entnommen ist. Deren Roman „Atlas shrugged“ (in deutsch auch als „Der Streik“ erschienen) ist eine seltsame Mischung aus ökonomisch-politischem Thriller, libertärer Utopie und philosophischer Abhandlung.

In „Atlas shrugged“, frei übertragen etwa „Atlas wirft hin“, räumt die Elite, durch immer größere Eingriffe des Staates in die Wirtschaftsaktivitäten mürbe gemacht, gewaltlos alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Positionen und führt so einen beschleunigten ökonomischen Zusammenbruch herbei. Eine der Hauptpersonen des Romans läßt Ayn Rand in einer langen Rede eine vehemente Anklage gegen staatliche Umverteilung und Bevormundung führen, darunter sind auch folgende Worte, die von Weik und Friedrich anfangs zitiert werden:

„Geld ist das Barometer der Moral einer Gesellschaft. Wenn Sie sehen, daß Geschäfte nicht mehr freiwillig abgeschlossen werden, sondern unter Zwang, daß man um produzieren zu können, die Genehmigung von Leuten braucht, die nichts produzieren, daß das Geld denen zufließt, die nicht mit Gütern, sondern mit Vergünstigungen handeln, daß Menschen durch Bestechung und Beziehungen reich werden, nicht durch Arbeit, daß die Gesetze Sie nicht vor diesen Leuten schützen, sondern diese Leute vor Ihnen, daß Korruption belohnt und Ehrlichkeit bestraft wird, dann wissenSie, daß Ihre Gesellschaft vor dem Untergang steht.“

Für Ayn Rand sind Einmischungen des Staates in jegliche Bereiche der Wirtschaft per se des Teufels. Das ist aber, wie oben schon erwähnt, nicht unbedingt die Meinung unserer Autoren, die als Grund dafür, daß sich unser Finanzsystem auf der Fahrt in den Untergang befindet, eher zu wenig Regulierung sehen. In diesem Leitzitat ist aber mit „Moral“ ein Thema angesprochen, daß den Autoren ebenfalls sehr wichtig ist, so daß hier eher ein Zusammenhang mit einer Gesellschaft besteht, deren aktuelle Entwicklung einen immer weiteren Verlust an Moral und Anstand aufzeigt.

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