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Abenteuer im Altai: Unterwegs auf der Seidenstraße Sibiriens

1. Mai 2015 Anna Grusdewa, für RBTH

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Der Tschujatrakt gilt nicht nur als eine der schönsten Reiserouten durch den Altai.
„National Geographic Traveler“ zählt die Strecke sogar zu den schönsten der Welt. Entdecken Sie auf Ihrer Reise durch die wilde und ursprüngliche Natur Sibiriens Berge und Höhlen, Flüsse und Seen und die Weite der Steppe.

Der Tschujatrakt schlängelt sich über 1 000 Kilometer lang durch den Altai. Seinen Anfang nimmt er in Nowosibirsk, mehr als 2 812 Kilometer von der russischen Hauptstadt Moskau entfernt. Er zieht sich durch die Region und die Republik Altai bis hin zur russisch-mongolischen Grenze und gilt als schönste Asphaltstraße Sibiriens, die auch erfahrene Reisende noch beeindruckt: Kleine, urwüchsige Dörfer wechseln sich mit Gebirgslandschaften ab. Gleich hinter dem schneebedeckten Gipfel des Berges Belucha beginnt die Steppe.

Im vergangenen Jahr zählte die Russische Ausgabe der Zeitschrift „National Geographic Traveler” den Tschujatrakt neben dem Dalton Highway in den USA und der Ruta Nacional 40 in Argentinien zu den Top-Ten der schönsten Autorouten der Welt. Eine Fahrt auf dem Tschujatrakt sei wie eine Reise durch ganz Rußland, hieß es dort.

Der Altai war schon immer historisch eng mit dieser Route verbunden: Der Tschujatrakt ist der Haupthandelsweg und Lebensader dieser Region. Bereits drei Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung trieben in Südsibirien Händler ihre vollbeladenen Eselkarawanen mit Waren aus Asien über diese Route und schufen so die Nordpassage der Großen Seidenstraße. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Tschujatrakt eine gefährliche Bergroute, die die Händler und Kaufleute überhaupt nur auf dem Rücken von Eseln bewältigen konnten. Erst 1901 begann man, die Strecke auszubauen. In den 1930er-Jahren wurden die Bauarbeiten von den Einheimischen und von den Gefangen des sibirischen Straflagers durchgeführt. Heute verläuft hier die asphaltierte Fernverkehrsstraße М-52, die nicht nur von vielen Händlern aus Asien und Südsibirien, sondern auch von Auto- und Fahrradtouristen aus Rußland und dem Ausland genutzt wird.

Mit dem Fahrrad durch den Altai

Ungeachtet der großen Entfernung des Altais vom europäischen Teil Rußlands kommen viele Ausländer hierher. So nahm zum Beispiel die Fotografin Heidi Bradner, die für ihren Einsatz für Menschenrechte bekannt ist, an einer Fotoexpedition durch den Altai teil, die den Titel „Menschen an den Grenzen” trug.

Sportler aus Deutschland nahmen am internationalen Fahrradmarathon „Tschujatrakt 2013″ teil. Besonders großes Interesse rief die Altaireise von Brian Dupees und Zand B. Martins hervor. Die beiden Abenteurer absolvierten im Mai 2014 die Strecke auf dem Fahrrad und setzten ihre Reise anschließend durch die Mongolei, Kasachstan und China fort. In ihrem Fahrrad-Blog berichteten sie:

„Die Straße verläuft nach unten und der Weg führt uns über das Plateau und durch das Tal zurück zum Katun und seinem kalten, trockenen Steppenklima. Die Straße ist gut und leicht befahrbar: Wenn Du die Rißige Asphaltpiste verläßt, bist Du auf dem falschen Weg. Diese 500 Kilometer lange Trasse führt geradewegs durch das Herz des Gebirges und wir folgen ihr über die Pässe und durch kleine Blockhaus-Dörfer, die an Flussauen gelegen sind. Schaf- und Ziegenherden wandern einträchtig die Hänge herab und werden dabei von einem Schäferhund und einem Hirten auf einem Motorrad bei Bedarf wieder in die richtige Richtung gelenkt.

Altai: Die ungeöffnete Schatzkammer Sibiriens

Kühe und Schweine trotten über die Koppeln neben den Häusern, wobei wir immer seltener Schweine zu sehen bekommen, da wir nun in eine vorwiegend von Moslems bewohnte Gegend der von Russen, Altaiern und Kasachen besiedelten Region gelangen. Als wir das Katun-Tal endgültig verlassen und uns allmählich der Tschuja nähern, passieren wir unsere letzte Kirche im Dorf Aktasch und gelangen in die Tschuja-Steppe, eine trockene, unfruchtbare, von hohen Bergen eingesäumte Hochebene. Als wir in die Grenzstadt Kotsch Agasch einfahren, erblicken wir die erste Moschee, ein bescheidenes grünes Holzgebäude mit einer aus Metall getriebenen Mondsichel auf der Spitze des Hauses.”

Ob man mit dem Auto oder dem Fahrrad unterwegs ist: Besucher sollten für die Reise entlang des Tschujatrakts mindestens eine Woche einplanen. Unterwegs können die Tawdinsker Höhlen und der Telezker-See, den größten See des Altais, besucht werden. Der herrlichste Blick über die Strecke und die Berge eröffnet sich vom Sema-Pass. Und im Dorf Schana-Aul kann das Museum der kasachischen Kultur besucht werden. Es ist in einer traditionellen Jurte untergebracht.