Home / News / 6. Weltwirtschafts- und Umweltkonferenz in Beijing – Interview mit WEC-Generalsekretär Li Junyang

6. Weltwirtschafts- und Umweltkonferenz in Beijing – Interview mit WEC-Generalsekretär Li Junyang

Von Hou Ruili ChinaToday 29. Oktober 2013
Die sechste Weltwirtschafts- und Umweltkonferenz (WEC, World Economic and Environmental Conference) wird vom 28. bis zum 30. November in Beijing stattfinden. Vor der Eröffnung der Konferenz sprach „China heute“ mit Li Junyang, dem Generalsekretär der WEC.

Programm für den Handel mit Emissionsrechten: Am 18. Juni 2013 wurde das Programm offiziell in Shenzhen ins Leben gerufen. Xie Zhenhua, ehemaliger Leiter des Staatlichen Amtes für Umweltschutz, erhielt das Mitgliedschaftszertifikat für Gemeinwohl Nr. 1.

China heute: Könnten Sie uns zunächst einmal mehr über die Geschichte und die Rolle der WEC erzählen?

Li Junyang: Die Gründung der WEC wurde von der Initiative Global Green New Deal inspiriert, die 2008 vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) angestoßen wurde. Als in China entstandene Plattform für Zusammenarbeit und Austausch zwischen Regierungen und Unternehmen leistet die WEC seither einen wichtigen Beitrag, die Herausforderungen des Klimawandels mit einer nachhaltigen Entwicklung und einem wirtschaftlichen Wachstum in eine harmonische Beziehung zu bringen. Eine Entwicklung, von der letztlich alle Seiten profitieren werden. Zudem haben wir uns zum Ziel gesetzt, alle Länder zu einem grüneren und umweltfreundlicheren Wachstumsmodell zu führen und alle Völker der Welt anzuregen, sich dem Problem der Umweltzerstörung durch den Menschen, insbesondere im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung, zu begegnen.

China heute: Welche Rolle kommt der WEC dabei konkret zu?

Li Junyang: Die WEC fördert das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung durch Organisationen für wirtschaftliche Zusammenarbeit und koordiniert die Ressourcen der Regierungen, wirtschaftlicher Organisationen und akademischer Institutionen, um eine kohlenstoffarme Wirtschaft aufzubauen. Wir bieten dabei eine Dialog-Plattform für die politischen Führungen der verschiedenen Länder, sowohl auf nationaler wie auch lokaler Ebene, mithilfe derer sie sich über die Industriepolitik austauschen, grüne Entwicklungsstrategien planen sowie Vorschläge zur Förderung der kohlenstoffarmen Wirtschaft und des Umweltschutzes machen können. Was China anbetrifft, macht die Konferenz darüber hinaus auch potentielle Investoren mit energiesparenden und umweltfreundlichen Projekten vertraut, einschließlich Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien und neuen Technologien. So wollen wir industrielle Innovationen und technische Erneuerungen in der Volksrepublik fördern und gleichzeitig die Öffentlichkeit zum Aufbau eines wirtschaftlich erfolgreichen und umweltfreundlichen Landes motivieren.

Zudem hat die WEC die Auszeichnung „International Carbon-value Award“ ins Leben gerufen, mit der wir umweltfreundliche Unternehmen weltweit ermutigen, sich aktiv an der Arbeit zur Energieeinsparung und Emissionsreduzierung zu beteiligen. Damit leisten wir letztlich auch einen großen Beitrag für den Umweltschutz in China.

China heute: Was waren bisher die wichtigsten Themen der WEC und welche Erfolge wurden in den vergangenen Jahren bereits erzielt?

Li Junyang: Die Konferenz findet jährlich statt und wurde seit 2008 bereits fünfmal abgehalten. Die WEC veranstaltet dabei jeweils zehn Themenforen und Branchen-Meetings, um die dringlichsten Probleme weltweit zu diskutieren, zum Beispiel die internationale Finanzkrise, die Umstrukturierung der Weltwirtschaft, den Klimawandel, die allgemeine Verschlechterung der Umwelt und die zunehmende Belastung im Bereich der Energieversorgung. Die WEC hat in den vergangenen Jahren beispielsweise Diskussionsrunden zu folgenden Themen veranstaltet: „Bewältigung der Finanzkrise und Förderung der grünen Transformation“, „Gewinnen in der Ära der grünen Wirtschaft und Kreislaufwirtschaft als Schlüssel zum Wohlstand“, „Chinas kohlenstoffarme Verpflichtungen inmitten der wirtschaftlichen Umstrukturierung und Entwicklung“, „Strategien zur Begegnung des Klimawandels, Aufbau einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und Chinas nachhaltige Wachstumsstrategien“, „Aufbau einer grünen und prosperierenden Marktwirtschaft“ und viele weitere. Der Austausch von Erfahrungen fördert die Transformation und das nachhaltige Wachstum der Weltwirtschaft und hilft zudem dabei, neue Formen der globalen Zusammenarbeit zu erforschen.

China heute: Ein Austausch also, von dem China auf seinem Weg zur grünen Entwicklung viel lernen kann?

Li Junyang: Richtig. Im Hinblick auf die Entwicklung einer kohlenstoffarmen Wirtschaft in China hat die Konferenz verschiedene vergleichende Studien über Formen und Wege der kohlenstoffarmen Entwicklung in anderen Ländern durchgeführt, etwa mit Schwerpunkt auf Energieeinsparung, Emissionsminderung und Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig haben wir zudem versucht, die Trends und politischen Maßnahmen der chinesischen energiesparenden, umweltfreundlichen und erneuerbaren Energie-Industrie zu analysieren und zu interpretieren. Diese Bemühungen haben die Entwicklung umweltfreundlicher Industriebranchen, die Nutzung neuer und erneuerbarer Energien, die internationale Zusammenarbeit und den Transfer von kohlenstoffarmen Technologien spürbar gefördert. Zudem hat die WEC Vorschläge zur Lösung der wichtigsten Probleme, die im Zuge der wirtschaftlichen Transformation in China aufgetreten sind, unterbreitet.

China heute: Was werden die Highlights der WEC 2013 sein?

Li Junyang: Das Motto der sechsten WEC lautet: „Streben nach einer grünen und kohlenstoffarmen Entwicklung, Vertiefung der industriellen Reform sowie auf Dauer nachhaltige und harmonische Entwicklung“. Es wird insgesamt zwölf Foren mit hochkarätigen Referenten aus den unterschiedlichsten Branchen geben.

China heute: Um welche Themen wird es in den Foren genau gehen?

Li Junyang: Im einzelnen geht es um kohlenstoffarme Entwicklung in der internationalen Kohleindustrie, Technologien für saubere Luft und Behandlung von Luftverschmutzung, die grüne Entwicklung der Erdgas- und petrochemischen Industrie, Energieeinsparung und Emissionsreduzierung sowie saubere Produktion in globalen Industriebranchen; außerdem werden noch Themen behandelt wie Bio-Tourismus und der innovative Schutz des kulturellen Erbes, Bio-Landwirtschaft und grüne Lebensmittel, internationale Bewirtschaftung von Wasserressourcen und Technologien zur Wasserbehandlung, grüne intelligente Verkehrssysteme und mit erneuerbaren Energien betriebene Fahrzeuge; darüber hinaus stehen Themen auf der Agenda wie neue Wege der Urbanisierung und die Entwicklung des grünen Bauwesens in China, die Behandlung von Abfällen in den Städten und die Wiederverwertung von Ressourcen, kohlenstoffarme Entwicklung und das Ressourcen-Recycling der Textil- und Bekleidungsindustrie, Investitionen in energiesparende und umweltfreundliche Industrien und ein grünes Finanzwesen.

China heute: Welche weiteren Highlights erwarten uns?

Li Junyang: Es wird auch zwei Ausstellungen über die ökologischen Veränderungen auf der Erde und die Errungenschaften grüner Unternehmen geben. Dabei werden vor allem die Auswirkungen der Verschlechterung der globalen Umwelt und des Klimawandels hervorgehoben, aber auch ermutigende Fortschritte chinesischer Unternehmen im Zuge der Entwicklung grüner Industrien.

China heute: Die Konferenz findet in China statt. Liegt der Fokus denn vor allem auf den Entwicklungsherausforderungen der Volksrepublik?

Li Junyang: Die Konferenz wird gemeinsam von den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen veranstaltet, was ihre Natur als globale Plattform für die internationale Zusammenarbeit und den Austausch über die nachhaltige Entwicklung der Weltwirtschaft und Umwelt beweist. Darüber hinaus wird sie aber natürlich auch die wissenschaftlichen und technologischen Innovationen in Bereichen wie Energieeinsparung, Umweltschutz und erneuerbare Energien in ihrem Gastgeberland China fördern und eine stärkere Beteiligung von Regierung, Unternehmen und Öffentlichkeit an den Umweltschutzaktivitäten in unserem Land anregen, um einen Beitrag zum Aufbau Chinas zu einem schönen Land zu leisten.

China heute: Welchen internationalen Einfluss hat die WEC?

Li Junyang: Unter den Teilnehmern der WEC finden sich nicht nur Vertreter internationaler Organisationen und Einrichtungen, sondern auch Umweltschutzexperten aus der ganzen Welt. Die WEC bietet damit eine breite Plattform für die Zusammenarbeit zwischen China und dem Rest der Welt in den Bereichen Umweltschutz und Energie. Darüber hinaus wird der internationalen Gemeinschaft ein umfassendes Bild von Chinas Bemühungen und Maßnahmen zur Begegnung des Klimawandels, zum Umweltschutz und zur Energieentwicklung präsentiert. Außerdem bietet die Konferenz eine wertvolle Referenz für ausländische Unternehmen, wenn sie in den chinesischen Umweltschutz- und Energiemarkt eintreten wollen. Daher trägt die WEC auch dazu bei, eine Win-Win-Situation für chinesische und ausländische Unternehmen, Organisationen und Institutionen in Bezug auf Energieeinsparung, Umweltschutz und die Nutzung erneuerbarer Energien zu schaffen.

 China heute: Was zieht internationale Unternehmen aus dem Bereich der grünen Industrien in die Volksrepublik?

Li Junyang: China bietet einen riesigen Markt für globale Unternehmen, und ist entscheidend für die Entwicklung der kohlenstoffarmen Wirtschaft weltweit. Die Zusammenarbeit zwischen China und dem Rest der Welt ist für beide Seiten wichtig. Sie umfasst einerseits die Annäherung der chinesischen Unternehmen und Städte an das Ausland, andererseits aber kommen über die Zusammenarbeit auch ausländische Unternehmen, Städte sowie Regierungen und internationale Organisationen nach China, um nach Entwicklungsmöglichkeiten zu suchen. Die WEC öffnet dabei neue Kommunikations- und Konsenskanäle.

Durch die WEC können alle Unternehmen, sowohl lokale als auch multinationale, ihre Forderungen nach Veränderung bestehender politischer Maßnahmen für umweltfreundliche Industrien ausdrücken und gemeinsam Lösungen für Probleme, die die Entwicklung solcher Industrien behindern, suchen.

China heute: Welche Rolle kommt der WEC in der internationalen Zusammenarbeit genau zu?

Die WEC unterstützt und koordiniert im Bereich der globalen grünen Entwicklung die Aktionen aller Gruppen in der internationalen Gemeinschaft, einschließlich Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Medien und Menschen aller gesellschaftlicher Schichten, um die bestehenden globalen umweltbezogenen Probleme zu lösen. Wir plädieren dabei für ein besseres Überwachungs- und Anreizsystem, und schlagen vor, daß die Regierungen der einzelnen Länder durch explizite Richtlinien für bestimmte Branchen und wirksame Marktmechanismen das Interesse der Unternehmen an der Beteiligung am Umweltschutz wecken. Die WEC erforscht außerdem neue Wege zur Zusammenarbeit und Verbreitung energiesparender und umweltfreundlicher Technologien. Darüber hinaus fördert sie den internationalen Transfer kohlenstoffarmer Technologien und den grünen Handel. Außerdem bemühen wir uns, das Umweltschutzbewußtsein der normalen Bürger in der ganzen Welt zu erhöhen und die Menschen zu motivieren, gemeinsame Anstrengungen zur Eröffnung einer neuen Perspektive der internationalen Zusammenarbeit in den Bereichen Ökologie, Umweltschutz und kohlenstoffarme Technologien zu unternehmen. Ziel ist es, eine nachhaltige Entwicklung sowohl der Umwelt als auch der Wirtschaft zu realisieren. Das ist letztlich im Sinne des zukünftigen Wohlergehens unserer gesamten Menschheit.