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Nachhaltigkeit in Rußland – wie greift die Wirtschaft Umweltprobleme auf?

Stimme Rußlands, 10. Juni 2013, Karl Bruckmeier
Die internationale Debatte über Umweltschutz und wirtschaftliche Entwicklung wird seit dem Brundtland-Bericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ (1987) von der Idee nachhaltiger Entwicklung geprägt. Wie steht es in Rußland mit Bemühungen um soziale, wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit?

nachhaltigkeit

Das diesjährige Treffen der aufstrebenden Staaten Brasilien, Rußland, Indien, China und Südafrika (BRICS) zeigte: Rußland fehlt eine Entwicklungsstrategie für alle Bereiche der Nachhaltigkeit, sozial, ökonomisch wie ökologisch (Deutsch-Russische Nachrichten, 26.03.2013).

Das Prinzip umweltschonenden und sozial gerechten Ressourcenverbrauchs wurde im Brundtland-Bericht formuliert als Befriedigung der Bedürfnisse gegenwärtiger Generationen, ohne die Bedürfnisbefriedigung künftiger Generationen einzuschränken.

Die Leitidee sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltiger Entwicklung hat sich rasch weltweit verbreitet, obwohl bis heute über ihre unterschiedlichen Auslegungen gestritten wird.

Ökologische Nachhaltigkeit kann an Beispielen der Rohstoffnutzung einfach erklärt werden. In der deutschen Diskussion wird manchmal auf ein 300 Jahre altes Lehrbuch der Forstwirtschaft von Carlowitz verwiesen, das nachhaltige Nutzung so beschreibt: um den vorhandenen Waldbestand zu erhalten, darf nur so viel Holz geschlagen werden wie im Jahr nachwächst. Beispiele aus anderen Ländern könnten hinzugefügt werden, um zu zeigen: die Idee ist alt, muß nur sinngemäß auf alle Naturressourcen weltweit angewandt werden.

Mangelnde Nachhaltigkeit der Russischen Wirtschaft am BRICS-Treffen geortet

Es gibt in Rußland Projekte der nachhaltigen Entwicklung von Umweltbewegungen, z.B. des „World Wide Fund for Nature“ (WWF). Unternehmen bedienen sich gelegentlich der Idee der „Corporate Social Responsibility“ (CSR) oder der Nachhaltigkeit, z.B. in der russisch-amerikanischen Zusammenarbeit von Skolkovo und Cisco (März 2012), wobei jedoch nicht immer ökologische Nachhaltigkeit gemeint ist. In einzelnen Sektoren kommt nachhaltige Entwicklung langsam in Gang, wie etwa der im März 2013 eingeführte ökologische Standard in der Bauwirtschaft zeigt. Doch insgesamt sind die Aussichten für einen Kurs der russischen Wirtschaft auf nachhaltige Entwicklung nicht sehr ermutigend. Das diesjährige Treffen der aufstrebenden Staaten Brasilien, Rußland, Indien, China und Südafrika (BRICS) zeigte: Rußland fehlt eine Entwicklungsstrategie für alle Bereiche der Nachhaltigkeit, sozial, ökonomisch wie ökologisch (Deutsch-Russische Nachrichten, 26.03.2013).

Rat für nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft gegründet

Auch international sind Nachhaltigkeitsinitiativen von Firmen begrenzt. Bisher wurde viel über CSR bzw. soziale Verantwortung von Unternehmen geredet, auch ein Rat für nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft gegründet. Außer Absichtserklärungen gibt es immerhin Beispiele, daß Unternehmen auch dann mitziehen, wenn es um mehr als ihre kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen geht. So beteiligen sich an der internationalen Korruptionsbekämpfung inzwischen Unternehmen, weil sie die volkswirtschaftlichen Schäden durch Korruption sehen. Erfolgreich im Sinn der Nachhaltigkeit sind jedoch eher internationale wirtschaftliche Bewegungen wie „Fair Trade“, die gegen die Marktmacht großer Unternehmen gerichtet sind. Die europäischen Konsumenten sind im gerechten Handel bereit, einen höheren Preis für importierte Konsumgüter wie Kaffee, Tee, Früchte oder Textilien zu bezahlen, um die Produzenten in den wenig entwickelten Ländern des globalen Südens zu unterstützen und höhere Löhne, Umweltschutz, bessere Arbeitsbedingungen und Ausbildung mitzufinanzieren.

Auch Fastfood-Ketten reagieren mittlerweile auf Kritik 

Es hat sich sogar gezeigt, daß internationale Unternehmen, die für ihre Missachtung sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit berüchtigt sind, etwa die „Fastfood“-Restaurantkette „McDonalds“ oder „Starbucks“, auf Kritik reagieren und z.B. Kaffee aus organischem Anbau oder Produkte aus ethischem Handel anbieten. Bei ihnen handelt es sich allerdings weniger um Nachhaltigkeit als um das, was als „Imagewäsche“ oder „Grünwaschen“ kritisiert wurde. Offensichtlich braucht die Wirtschaft Druck, moralischen Druck von Umweltbewegungen, Druck durch die politische Macht von Regierungen und die unsichtbare wirtschaftliche Macht der Verbraucher. Auch die Russische Forstwirtschaft brauchte internationalen Druck von Umweltbewegungen und politischen Akteuren, um die Nachhaltigkeitszertifizierung des „Forest Stewardship Council“ zu akzeptieren (Rußland-Analysen Nr. 240, 15.06.2012).

Die Macht des Konsumenten

Die Macht der Konsumenten beruht auf den Umsätzen, die sie den Unternehmen ermöglichen. Verbraucher können sich dem extremen Konsumzwang entziehen, von dem das Wachstum der Wirtschaft abhängt, und immer mehr tun es auch. Es wird nicht reichen, aber ein Anfang ist gemacht, wie auch mit der Idee der nachhaltigen Entwicklung.